Gottesanbeterin

Mantis religiosa

 

Die Gottesanbeterin, als einzige heimische Fangschreckenart, ist in Deutschland streng geschützt und in der Roten Liste als gefährdet aufgeführt.

 

Die ursprünglich aus Afrika stammende Fangschrecke besitzt einen frei beweglichen dreieckigen Kopf mit seitlich sitzenden Facettenaugen, lange Fühler und zwei unterschiedlich große Flügelpaare. Jedoch nur selten fliegen die erwachsenen Männchen über kurze Strecken. Die größeren bis zu 7,5cm langen und schwereren Weibchen sind flugunfähig. Ein weiß gekörnter augenähnlicher Fleck mit schwarzem Rand an den Innenseiten der Vorderbeine dient in Abwehrhaltung zur Abschreckung von Feinden.

 

Die Gottesanbeterin liebt sonnige, trockenwarme Südlagen, vor allem Halbtrockenrasenflächen, Gras- und Buschland, sowie Ruderalflächen. Auch Randgebiete von Tagebauen und Truppenübungsplätze werden gerne von ihr besiedelt. Auf unseren Trockenrasenflächen am Heppenheimer Schlossberg mit halbhoher Vegetation findet die wärmeliebende Art optimale Lebensbedingungen vor.

 

Ihren Namen verdankt die Gottesanbeterin ihrer Körperhaltung, bei der die Vorderarme gebetsartig aneinandergefaltet sind. In dieser Lauerstellung verharrt sie gut getarnt bis ihr die Beute nahe kommt und diese mit einem blitzschnellen Fangschlag ergriffen wird. Dabei dienen Dornen und Widerhaken, mit denen die Fangarme ausgestattet sind, dem Festhalten der Insekten. Bienen, Fliegen, Heuschrecken und Spinnen zählen zu ihrem Beutespektrum, welche die Fangschrecke mit Hilfe von kräftigen Mundwerkzeugen, den Madibeln, auffrist. Bei größeren der weltweit über 2000 vorkommenden Fangschreckenarten stehen gelegentlich Eidechsen, Frösche und Vögel auf dem Speiseplan.

 

Manchmal verspeist die weibliche Gottesanbeterin während oder nach der Paarung das Männchen. Dieses außergewöhnliche Paarungsverhalten wird als Sexualkannibalismus bezeichnet.

 

Einige Tage nach der Begattung im August bis Oktober erfolgt die Eiablage, wobei das Weibchen Gelege aus einer schnell erhärtenden Schaummasse, den Ootheken, an Blättern, Grashalmen,  Steinen, in Spalten von Trockenmauern oder Hölzern ablegt. Die isolierende Masse schützt die Eier während der Wintermonate hervorragend vor Kälte.

 

Aus ca. 100-200 Eiern schlüpfen im Frühjahr die Larven, die sich zunächst von Kleininsekten, z.B. Blattläusen ernähren und im Laufe von sechs bis sieben Häutungen zu geschlechtsreifen Gottesanbeterinnen heranwachsen. Während dieser Stadien erfolgt die farbliche Anpassung der Schrecke mit Farbvarianten von grün bis braun an die jeweilige Umgebung.

 

Erwachsene Gottesanbeterinnen sterben vor Beginn des Winters meist im Oktober bis Anfang November.