Wespenbussard

 

Der Wespenbussard ist mit einer Flügelspannweite von bis über 1,40 m ein mittelgroßer Greifvogel, dessen Gefiederfärbung von fast weiß bis dunkelbraun variieren kann. Seine Ähnlichkeit mit dem Mäusebussard, die kurze Anwesenheit im Brutrevier von Mai bis August und seine heimliche Lebensweise machen ihn zu einer schwer erfassbaren Art, sodass sein Vorkommen gelegentlich übersehen wird und sein Bestand nur schwer bestimmbar ist.

 

Charakteristisch für den Wespenbussard ist der im Gegensatz zum Mäusebussard längere Schwanz mit einer breiten dunklen Endbinde und zwei schmalen Binden nahe der Basis, sowie etwas längere, schmalere Flügel. Sein Hals ist schlank, der Kopf klein mit taubenähnlichem Aussehen und die Iris der adulten Tiere gelb. Im Flugbild ragen Hals und Kopf meist deutlich hervor. Erwachsene Männchen sind am taubenblauen Kopf erkennbar, Weibchen haben meist ein braunes Kopfgefieder.

 

Der Wespenbussard bewohnt bevorzugt reich strukturierte Landschaften mit abwechslungsreichen Altholzbeständen.

 

Als Nahrungshabitat werden geschlossene, wie offene, sonnige Waldbereiche meist Lichtungen, Windwurfflächen, Waldwiesen, Schneisen und Ränder von Feld- und Waldwegen, Uferrandstreifen, sowie halboffenes Grünland, Magerrasen und auch Heiden und Sümpfe genutzt. In einem Aktionsradius bis zu 10 km unternimmt der Wespenbussard Suchflüge nach Erdnestern von Wespen- und Hummelarten, deren Waben er mit Hilfe seiner gut angepassten, hornig beschuppten Füße und nur wenig gekrümmten Krallen ausgräbt. Sein Kopfbereich zwischen Schnabelgrund und Augen ist durch ein besonders dichtes und hartes Gefieder vor Wespenstichen geschützt, ebenso sind der schmale Schnabel und die schlitzförmigen Nasenlöcher seiner besonderen Jagd- und Ernährungsweise angepasst.

 

So besteht seine Nahrung überwiegend aus Wespen bzw. deren Larven. Ebenso bilden die Larven und Puppen die Hauptnahrung während der Jungenaufzucht. Auch Amphibien, Reptilien, Würmer, Käfer und seltener Jungvögel und Kleinsäuger werden erbeutet. Weiterhin zählen Früchte gelegentlich zum Nahrungsspektrum des Greifvogels.

 

Schmetterlingsähnliche Balzflüge unternimmt der Wespenbussard über seinem Brutrevier, wobei sich die Balzräume bis zu 3 km um den Horstbereich erstrecken können. Hierbei zeigt er einen wellenförmigen Flug, bei dem er jeweils kurz vor dem höchsten Punkt die Flügel über dem Rücken mehrfach zusammenschlägt.

 

Die meist relativ kleinen und nicht sehr stabilen Horste baut der Wespenbussard sowohl in Laub- als auch in Nadelbäumen, die sich häufig im Kuppen- und oberen Hangbereich befinden. Typisch ist dabei die Verwendung frischer Laubzweige, mit denen der Horst hervorragend getarnt ist. Auch während der Brutzeit werden immer wieder belaubte Äste nachgelegt.

 

Das Gelege des Wespenbussards besteht meist aus 2 Eiern. Beim Brüten wechseln sich Männchen und Weibchen ab. Ende Juni bis Mitte Juli, nach knapp 5 Wochen Brutzeit schlüpfen die Jungen und sind nach etwa 40 Tagen flügge. Im Gegensatz zu anderen europäischen Greifvögeln findet man keine auffälligen Kotspuren unter dem Nest, da die Jungvögel ihren Kot nicht weit über das Nest hinausspritzen, sondern auf dem Nestrand absetzen.

 

Schon nach wenigen Tagen des Flüggewerdens löst sich der Familienverband auf. Mitte August bis Anfang September begibt sich der Langstreckenzieher auf eine bis zu 7000 km lange Zugstrecke in seine Überwinterungsgebiete, die tropischen Wälder Afrikas.

 

Der Wespenbussard ist eine Anhang I Art der Vogelschutzrichtlinie und in der Roten Liste Deutschlands, Hessens und Baden-Württembergs als gefährdete Art eingestuft. Sein Erhaltungszustand ist ungünstig.

 

Seine Gefährdung liegt in der Zerstörung und Eutrophierung ursprünglich insektenreicher Kulturlandschaften, dem Eingriff in Altholzbestände, Störungen am Brutplatz durch forstwirtschaftliche Nutzung, Freizeitnutzung, dichtes Waldwegenetz, sowie Verluste und Meidung von Teillebensräumen durch Windindustrieanlagen und intensive Verfolgung wie Abschüsse auf dem Zugweg.