Wolf

 

Der Wolf, eine der einstmals weitverbreitesten Säugetierarten, wurde durch seine intensive Verfolgung in den vergangenen Jahrhunderten stark dezimiert. In vielen Regionen Europas war er verschwunden und galt in Deutschland als ausgerottet. Seit 30 Jahren jedoch erholen sich die Bestände. Im Jahr 2000 wurde Deutschland erstmals nach 150 Jahren von einem Wolfsrudel in der Sächsischen Lausitz besiedelt.

 

Derzeit sind in Deutschland ca. 70 Wolfsrudel und Paare hauptsächlich in Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern bekannt, außerdem konnten in den meisten Bundesländern, meist weiterwandernde Einzeltiere nachgewiesen werden, mehrfach auch in Hessen und Baden-Württemberg.

 

So gilt der Wolf nach dem BNatSchG als streng geschützt und wird in der FFH-Richtlinie als Art des Anhang II und IV geführt.

 

Die Hauptgefährdung des Wolfes liegt heutzutage im Verkehr, jedoch auch weiterhin in illegalen Abschüssen und der Zerschneidung seines Lebensraumes. Von 53 toten Wölfen, die in Sachsen seit dem Jahr 2000 gefunden wurden, starben 32 im Verkehr, 7 wurden illegal getötet.

 

Wölfe werden bis zu 140 cm lang und 70-90 cm hoch, besitzen kleine, dreieckige nach oben stehende Ohren und einen buschigen Schwanz mit dunkler Spitze, der im Gegensatz zu Hunden nach unten gerichtet ist. Häufig ist auf dem Rücken ein dunkler Sattelfleck sichtbar. Seine Augen stehen leicht schräg, was ihn auch von Wolfshunden wie dem Tschechoslowakischen Wolfshund oder dem Saarloos unterscheidet.

 

In der Wahl seines Lebensraumes zeigt sich der Wolf als sehr anpassungsfähig und besiedelt die unterschiedlichsten Gegenden wie Tundren, Gebirge und Wüsten, jedoch bewohnen die meisten Wölfe Wälder und Grasland.

 

Wölfe leben in der Sozialstruktur des Familienverbandes, dem Rudel, das aus 2-12 Tieren besteht. Ein Rudel setzt sich zusammen aus dem Elternpaar, den Welpen des aktuellen Jahrgangs und Jungtieren der Vorjahre, die in der Regel als geschlechtsreife Jährlinge bzw. mit 10-22 Monaten, spätestens aber mit 3 Jahren abwandern, um einen Partner und ein eigenes Territorium zu suchen. Strecken von bis zu 1.000 km können dabei zurückgelegt werden.

 

Die ortstreuen Wolfsrudel besetzen ein Revier, dessen Größe je nach Beuteangebot sehr unterschiedlich ausfallen kann, das mit Harnmarkierungen abgegrenzt und gegen andere Wolfsrudel und Einzeltiere energisch verteidigt wird. In Deutschland beträgt die Reviergröße etwa 250 km². Innerhalb eines Reviers ist der Wolf auf der Suche nach Beute ständig in Bewegung. Im Gegensatz zum umherlaufenden und abweichenden Hund, läuft der Wolf weite Strecken geradlinig und zielorientiert in konstantem Tempo und nutzt auf seinen täglichen Streifzügen von bis zu 75 km Geländeformationen wie Pfade, Wege, Ufer und Bergrücken. Dabei bewegt er sich häufig im geschnürten Trab, d.h. er setzt die Hinterpfote in die Abdrücke des Vorderwolfes.

 

Der ausdauernde Läufer erreicht  vor allem bei der Jagd Spitzengeschwindigkeiten von 45-50 km/h. Er besitzt ein hervorragendes Gehör mit dem er Frequenzen bis zu 40 KHz wahrnimmt und das Heulen anderer Wölfe bis auf eine Distanz von ca. 10 km hört. Mit seinem ausgeprägten Geruchssinn wittert er Tiere bis zu 2,5 km Entfernung.

 

In einer Studie des Senckenbergmuseums für Naturkunde wurde anhand von 6.000 gesammelten Kotproben das Reh (53%) als Hauptnahrung des Beutegreifers festgestellt, gefolgt von Rotwild und Wildschweinen. Auch kleine und mittelgroße Säuger, wie Hasen und auch Biber gehören zu seinem Beutespektrum, das je nach Region und Angebot stark schwanken kann. Da der Wolf auch Aasfresser ist und meist ältere, kranke und junge Tiere erbeutet, spielt er im Ökosystem eine wichtige Rolle als " Gesundheitspolizei " und trägt zur natürlichen Bestandsregulierung bei.

 

Etwa 1% der erbeuteten Tiere sind Nutztiere wie Ziegen und Schafe. Als Herdenschutzmaßnahmen werden die Verwendung besonderer Schutzzäune und der Einsatz von Herdenhunden empfohlen.