Aktuelles 2026

 

 

 


12.06.2026 - Mausohrkolonie in der Hambacher Kirche - Wir bitten um Spenden zur Finanzierung eines Lichtschrankensystems


Erstmals seit 1995, wo eine Schleiereule die Mausohrkolonie in der Hambacher Kirche kurzzeitig vertrieb, fanden sich bei der diesjährigen Kontrolle anstatt der üblichen 300 Muttertiere nur noch 78 Weibchen vom Großen Mausohr im First des Dachstuhls. Für das Verschwinden von über 200 Mausohrfledermäusen kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht, von natürlichen Faktoren wie menschengemachte. Um die Kolonie besser schützen zu können und Beeinträchtigungen schnell zu erfassen, haben wir heute mit Karl Kugelschafter von Chirotec mehrere Lichtschranken an den Ein- und Ausflügen eingebaut. Somit können wir tagesaktuell die Anzahl aus- und morgens wieder einfliegender Tiere erfassen und bei einem Ausbleiben der Tiere schnell die Ursachen ermitteln.

Karl Kugelschafter hat wie unsere Fledermausexperten von MUNA Jahrzehnte Erfahrung in der Erforschung der Verhaltensweisen unserer 26 heimischen Fledermausarten. Für die Finanzierung und dauerhafte Unterhaltung des Lichtschrankensystems benötigen wir 4.000€ und für jährliche laufende Kosten 700€. Wir freuen uns über jede Unterstützung egal, ob eine Übernahme der Gesamtkosten erfolgen kann oder jährlich 50€, 70€ oder 100€ gespendet werden. Vielen Dank dafür!


15.05.2026 - Seit Jahrzehnten war er verschwunden, jetzt ist der Wendehals wieder am Schlossberg zu beobachten


Seit Jahren vergrößern wir die Beweidungsflächen am Schlossberg und entwickeln im FFH-Gebiet die Lebensraumtypen Magere Flachlandmähwiese und Halbtrockenrasen. Im Winter wurden mehr als 1ha mit Brombeeren bewachsene Flächen entbuscht und nun von unseren Schafen und Ziegen beweidet. Weiterhin haben wir u.a. über Ausgleichsmittel des Landk. Bergstraße über 50 Kästen für Wendehals, Gartenrotschwanz, Wiedehopf und Steinkauz in unseren Flächen, die derzeit über 4ha umfassen, aufgehängt. Mit Erfolg, so hat sich seit diesem Jahr erstmals wieder der seltene Wendehals, der in Hessen und bundesweit als gefährdete Art (Rote Liste Kategorie 3) gilt, angesiedelt. Auf den schütter bewachsenen und beweideten Magerwiesen, sucht er auf den Boden umherlaufend, seine Lieblingsnahrung, die verschiedene Ameisenarten darstellen. Der Wendehals aus der Familie der Spechte legt keine eigenen Nisthöhlen an, sondern ist auf schon vorhandene Baumhöhlen und künstliche Nisthilfen angewiesen. Er ist der einzige Zugvogel unter unseren Spechten. Ende April Anfang Mai kehrt er aus den Savannengebieten Afrikas, wo er den Winter verbracht hat, in die mitteleuropäischen Brutgebiete zurück.

Den scheuen und gut getarnten Vogel bekommt man nur selten zu Gesicht.

Unsere Schafherde ist inzwischen auf 20 Tiere angewachsen und ist zu Wochenbeginn von den Winterweiden im Odenwald an den Schlossberg zurückgekehrt.

Neu hinzugekommen sind außerdem 8 Ziegen der Rasse Anglo-Nubier. Sie beweiden aktuell unsere kürzlich hinzugekaufte verbuschte Weinbergfläche und halten eine Kompensationsfläche, die im Winter entbuscht und neu gezäunt wurde, von wieder aufkommendem Brombeerbewuchs frei.

 

Wir können beobachten, dass die Artenvielfalt am Schlossberg zusehends wächst und wir entdecken immer wieder neue Tier- und Pflanzenarten.

Hier konnten wir einen Gebänderten Pinselkäfer auf einer Wiesen-Witwenblume beobachten. Pinselkäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer und ernähren sich von Pollen und Nektar. Begünstigt durch seine dichte Behaarung an der Körperunterseite ist der Käfer damit gleichzeitig ein hervorragender Bestäuber.

An mehreren Ulmen und Salweiden sind zahlreich Raupen vom Großen Fuchs zu finden, einst einer der häufigsten Schmetterlingsarten ist er ebenfalls selten geworden und besiedelt meist wärmebegünstigte naturnahe Waldränder und Magerwiesen mit solitären Bäumen. Daher erhalten wir gezielt seine wichtigsten freistehenden Nektar- und Futterpflanzen und schützen diese vor Verbiss der Ziegen.

2026 scheint ein gutes Flugjahr vom Großen Fuchs zu sein, zahlreich finden sich seine Raupen an Ulmen und Salweiden.

Gelbe Sommerwurz parasitiert an Zypressen-Wolfsmilch, alljährlich haben wir gute Bestände der Sommerwurzarten auf unseren Flächen.


03.04.2026 - Wie geht es weiter im Fall Mehlschwalbenkolonie an den ehemaligen Kühltürmen des AKW Biblis


RWE weigert sich nach wie vor, leider erfolgreich, da die Aufsichtsbehörde nicht handelt, geeignete Ersatzmaßnahmen an den noch bestehenden Gebäuden auf seinem Gelände anzubringen. Mit Unwahrheiten, wie die Gebäude würden sämtlich abgebrochen werden, wird versucht, einem angemessenen Ersatz auf dem eigenen Gelände aus dem Weg zu gehen. Ein Vorbild ist RWE nicht. Dass Privatleute freiwillig und aus dem Verständnis einer immer stärker schwindenden Artenvielfalt handeln und Kunstnester an ihren Gebäuden für die bedrohte Art anbringen, will RWE als Eingriffsverursacher und Zerstörer von über 400 Brutpaaren für sich nicht einsehen. Daher waren wir wieder gezwungen eine Kanzlei einzuschalten, die die Rechte der Schwalben vertritt und uns und unsere Kooperationspartner (BUND Bergstraße, Wildtierschutz Deutschland e.V., Wildvogelhilfe e.V. u.a.) zu unterstützen.

 

Aufgrund des Ausbleibens einer angemessenen Anordnung seitens der zuständigen Naturschutzbehörde des Landkreises Bergstraße musste nun eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Oberen Naturschutzbehörde eingereicht werden. Wir sind gespannt, ob wir auch hier ein Nichthandeln dokumentieren müssen oder ob der ökologische Verstand ausreicht, endlich den aktuell zurückkehrenden Schwalben einen angemessenen Ersatz bereitzustellen. Wir bedauern sehr dieses Versagen und die fehlende Bereitschaft von RWE hier eine angemessene Verantwortung zu übernehmen.

Leider zwingt uns das Verhalten der Behördenvertreter dazu weiter am Ball zu bleiben und noch zu retten, was schon fast verloren ist. Die Alibi-Schwalbentürme, einschließlich der Nester, sind bereits nach zwei Jahren vom Schimmelbefall so eingenommen, dass Schwalben derartige Gefahrenquellen meiden werden.

Fotos: Kirsten Dressel

Bleibt neben der Hoffnung, dass RWE und die Behörden Einsicht erlangen und endlich angemessen handeln, noch die Hoffnung, dass wenigsten ein Teil der Mehlschwalben an den verbliebenen Gebäuden Naturnester bauen werden. Gelingt ihnen dies nicht, dokumentieren wir hier einen schweren Umweltschaden mit der Zerstörung einer der größten Mehlschwalbenkolonien mit über 400 Brutpaaren bundesweit.


09.01.2026 - Rettung einer bedeutenden Mehlschwalbenkolonie am letzten Kühlturm des AKW Biblis


Die einstmals vier Kühltürme des Atomkraftwerks Biblis beherbergten eine bedeutende Mehlschwalbenkolonie mit über 430 Brutnestern. Der letzte verbleibende Turm beherbergt nur noch einen Teil der Nester, so dass wir von einer Zerstörung der Kolonie ausgehen müssen, ohne dass die Kolonie die Ersatzhäuser angenommen hätte. Auf diesen Missstand weisen wir die verantwortlichen Behörden und den Eingriffsverursacher (UNB Landkreis Bergstraße, ONB RP-DA und RWE) hin. Der letzte Turm könnte bis Ende Februar gesprengt werden, danach wäre zu erwarten, dass die Population verloren ist, zumal Mehlschwalben nur wenige Jahre alt werden und beim Verlust der Lebensstätte sich die Paare oft nicht erfolgreich umsiedeln können. Somit kommen tradierten Brutplätzen, noch dazu störungsarme Bereiche in 80m Höhe, eine besondere Bedeutung zu.

 

Gemeinsam mit Wildtiere Deutschland e.V., dem BUND Kreis Bergstraße, der Wildvogelhilfe e.V. sorgen wir uns um den Erhalt dieser bedeutenden und größten Mehlschwalbenkolonie Hessens. Nach der Roten Liste Deutschlands gilt die streng geschützte Art als "Gefährdet" (Rote Liste 3) und befindet sich in einem ungünstig-unzureichenden Erhaltungszustand mit weiterhin abnehmendem Bestandstrend.

 

Kurz vor dem Abriss zweier ebenfalls von den Mehlschwalben besiedelten Kühltürmen im Jahr 2023 wurden als vorgezogene Ausgleichsmaßnahme (CEF-Maßnahme) auf dem Kraftwerksgelände 8 Mehlschwalbentürme errichtet. Gaby Weiß von der Wildvogelhilfe e.V. berichtet, dass nach eigenen Beobachtungen und Beobachtungen verschiedener Naturschützer, die neu geschaffenen Lebensstätten, 7-9m hohe Schwalbenhäuser, seither nicht angeflogen und als Ersatzbrutstätte nicht angenommen wurden, womit diese Ausgleichsmaßnahme bisher nicht wirksam ist und vermutlich auch weiterhin nicht sein wird, denn viele dieser "Ersatzmaßnahmen" werden üblicherweise von den Gebäudebrütern auch nach Jahren nicht angenommen (eigene umfangreiche Daten). Eine Umorientierung der Schwalben gelingt der Art aufgrund der Revierbindung nicht ohne weiteres. So ist anzunehmen, dass Brutpaare sich nach dem Verlust ihrer Nester nicht anderswo ansiedeln werden, sondern nicht mehr zur Brut schreiten und aufgrund der kurzen Lebenserwartung der Altvögel für den Erhalt der Art ausfallen.

 

Werden nun keine wirksamen Maßnahmen getroffen und der letzte Kühlturm wie geplant im Januar/Februar gesprengt, würde dies die Auslöschung der gesamten Kolonie bedeuten.

 

Wir haben die Behörden aufgefordet zu handeln, um einen drohenden massiven Umweltschaden abzuwenden.

 


 

 

 

Aktuelles 2025

 

 

 


19.11.2025 - Jahreshauptversammlung 2025


Auch in diesem Jahr wurde bei unserer Mitgliederversammlung anhand eines Bildervortrages eingehend über die aktuellen wie auch langfristig laufenden Projekte und Aktivitäten von MUNA berichtet.

 

Inzwischen werden mehrere Flächen von etwa 1,5 ha am Heppenheimer Schlossberg mit unserer kleinen Schafherde bestehend aus Suffolk-, Coburger Fuchs- und Quessantschafen beweidet.

Auch unsere neue Fläche zeigt ein großes Potential sich in nur wenigen Jahren in eine Magerwiese mit bedeutender Artenvielfalt zu entwickeln.

Schafe als Ausbreitungsmotor für zahlreiche Arten. Hier mit Samen vom Acker-Klettenkerbel und Wilder Möhre.

Der Rote Ampfer-Glasflügler wird als Klimaprofiteur bezeichnet.

Die Artenvielfalt auf unseren seit mittlerweile 25 Jahren gepflegten Magerwiesen nimmt beständig zu. Diesjährig konnten wir neben der äußerst seltenen Zippammer auch erstmals unsere größte Tagfalterart, den Weißen Waldportier, beobachten. Dieser seltene Schmetterling, der nur noch mit wenigen Vorkommen in Deutschland, mit dem größten Bestand am Kaiserstuhl, vertreten ist, gilt als Magerrasenspezialist und gilt nach der bundesweiten Roten Liste als stark gefährdet. Wir hoffen, dass sich die beiden wärmeliebenden Arten langfristig am Schlossberg ansiedeln werden. Derzeit ist der Erwerb einer weiteren Weinbergfläche, sowie die Beweidung einiger verbuschter und nachlässig gepflegter Areale am Schlossberg in Vorbereitung. Hierfür ist die Anschaffung von Ziegen geplant, um das starke Brombeeraufkommen der Flächen nach erfolgter Rodung eindämmen zu können.

 

Beim Naturschutzwettbewerb "Unsere Heimat und Natur" von EDEKA Südwest und der Stiftung NatureLife-International haben wir einen Preis von 2.000,- € für unser Schlossberg Projekt erhalten. Nistkästen für den Steinkauz, den Wendehals und Gartenrotschwanz konnten wir aus Mitteln der Ersatzzahlung finanzieren.

Unsere Bemühungen um das geplante Naturschutzgebiet, aber 1997 als Gewerbegebiet ausgewiesene Feuchtwiesen und Schilfröhrichtflächen bei Affolterbach, gestalten sich langwierig. Der Zugang zu Umweltinformationen wurde uns nun, nach einem im Dezember 2024 über einen Anwalt gestelltes Eilverfahren, einer Mitte Oktober 2025 eingereichten Dienstaufsichtsbeschwerde gegenüber der zuständigen Richterin des VG-Darmstadt (Ende Oktober erfolgte das Urteil mit Begründung über 26 Seiten, download unter https://www.muna-ev.com/veröffentlichungen/gerichtsurteile/)  und einem Vollstreckungsantrag gegenüber dem Landratsamt Bergstraße Mitte November, gewährt.

An unserem neu angelegten Flachgewässer bei Hüttenfeld wurde seitens des Veterinäramtes, bei der Bergung eines Wildschweinkadavers Desinfektionsmittel eingeleitet. Das ganze Jahr über verendeten Amphibien und Kaulquappen der Kreuzkröte, Erdkröte und Wasserfrosch. In Teilbereichen gelang eine Fortpflanzung. Ebenso wurden moribunde Amphibien mit verätzter Haut und blutunterlaufenen Augen gefunden, die Stunden später verendeten. Das Biotop wurde erheblich durch das Mittel Venno-Vet, das im Rahmen der ASP-Maßnahmen von Veterinärämtern verwendet wird geschädigt. Wir haben die Behörden um Aufklärung gebeten und zur Sanierung des Gewässers oder zumindest der Übernahme der Sanierungskosten gebeten. Außerdem haben wir auf die enorme Schädlichkeit für Wasserorganismen und die langfristige Wirksamkeit des Biozids hingewiesen und um die Anwendung alternativer Verfahren in Gewässernähe gebeten, da das Mittel hessenweit Anwendung findet und auch andernorts ähnliche Erfahrungen gemacht wurden. Auch hier blieben die Behörden untätig, das Mittel sei zulässig und für eine Sanierung sei kein Geld vorhanden.

 

Zunehmend stellt der Waschbär, der praktisch flächendeckend vorkommt, eine Gefährdung für die Amphibienvorkommen wie auch für Vogelgelege dar. Um die Gelege in Nistkästen zu schützen hängen wir Prädatoren sichere Kästen auf und bringen Plastikmanschetten um Baumstämme an. Ebenso konnten wir höhere Verluste durch Pestizide und Pathogene bei Singvögeln und insbesondere beim Feldsperling feststellen.

Eine vom Waschbären gehäutete Erdkröte und ein aufgebissener Grasfrosch.

Außerdem sind wir weiterhin auf Ursachenforschung von neuen Verlustursachen unter Amphibien, die lokal ganze Bestände dezimieren. Wir sind auf der Suche nach einem Labor, das in der Lage ist die Symptome, wie Krampfanfälle und abnorme Bewegungen und die Todesursache zu untersuchen. Es besteht der Verdacht, dass Perkinsea (parasitäre Einzeller) der Auslöser sein könnten. Dieser Organismus ist weit verbreitet, kommt auch am Boden und in Gewässern vor und kann bei vorgeschädigten Immunsystemen der Amphibien sich in diesen stark vermehren und erheblich bis tödlich schädigen.

 

Bei unseren jährlichen Bestandskontrollen von Breitflügel- und Mausohrquartieren im Kreis Bergstraße konnten wir stabile Bestände dokumentieren, ebenso fand ein Winterquartier-Monitoring und Kasten-Monitoring statt. Zahlreiche Sanierungen mit Fledermausvorkommen der Breitflügel- und Zwergfledermaus in Bayern und Hessen wurden von uns begleitet.

Mopsfledermaus bei einer Kastenkontrolle im Heppenheimer Stadtwald.

Die Bilddokumentation auf unserer Homepage unter https://www.muna-ev.com/veröffentlichungen/vorträge/ beinhaltet weitere Info's zu all diesen und weiteren Projekten wie z.B. dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling, dem Biber und dem Schwarzstorch.


24.07.2025 - Die vom Aussterben bedrohte Zippammer wurde erstmals am Heppenheimer Schlossberg beobachtet


Mit der Zippammer hat sich am Schlossberg eine der am stärksten bedrohten Brutvogelarten in Deutschland eingestellt. Sie gilt bundesweit in ihren wenigen Vorkommensgebieten als vom Aussterben bedroht (Rote Liste 1). Die heimlich lebende Zippammer benötigt, wie die bereits in guten Beständen hier siedelnde Zaunammer, ein trocken-warmes Klima, beweidete kurzrasige Wiesen, Trockenrasen mit in Teilen offenen Bodenstellen, wo sie zahlreiche Insekten erbeuten kann. Sie brütet am Boden oder in niedrigen Höhen in Mauern oder Büschen. Die Reviere sind selten größer als 2ha. Abzuwarten bleibt nun, ob sie sich ebenso erfolgreich wie die Geschwisterart Zaunammer dauerhaft am Schlossberg ansiedeln kann. Unsere Beweidungsflächen, die zahlreichen Trockenmauern und Gebüsche bieten der Zippammer günstige Bedingungen für mehrere Brutpaare. Entscheidend für ihr Vorkommen scheinen ganzjährig insektenreiche Lebensräume mit gutem Überblick und somit sind unsere beweideten Steilhanglagen besonders günstig für ein Vorkommen der Art. Die schnell abtrocknenden steilen Hänge mit über 30° scheinen im Rahmen der Beweidung besonders geeignete Bedingungen mit lückiger Vegetation und zahlreichen offenen Bodenpartien für die Art zu bieten. Die Ansiedlung auf unserer neuen Fläche bereits im ersten Jahr ist bemerkenswert, da bei der Zippammer aufgrund desolater Bestände kaum ein Populationsdruck bestehen dürfte.

Auch der Uhu, unsere größte heimische Eule, ist seit Jahren am Schlossberg in einem ehemaligen Steinbruch heimisch geworden und hat dort in diesem Jahr erfolgreich drei Junge großgezogen. Brutplätze des Uhus befinden sich überwiegend in Nischen und Höhlen von Steinbrüchen, er tritt aber auch als Bodenbrüter in Wäldern auf, gelegentlich werden verlassene Greifvogelnester als Brutplatz genutzt. In der Wahl ihres Lebensraumes sind Uhus sehr anpassungsfähig, so halten sie sich auch in menschlichen Siedlungen auf und sogar hohe Gebäude dienen ihnen manchmal als Brutplatz. Hier finden sie neben ihrer Hauptbeute den Ratten auch zahlreiche weitere Beutetiere, wie Krähen, Elstern, Singvögel und sogar Igel und Insekten dienen ihnen als Nahrung. Für den Erhalt zahlreicher heimischer Eulen und Käuze ist es entscheidend keine Nagergifte auszubringen, da auch sterbende oder tote Ratten und Mäuse von Eulen gefressen werden.

Die dämmerungs- und nachtaktive Eule hat ein sehr gutes Sehvermögen. Durch die starr nach vorne gerichteten Augen hat der Uhu jedoch ein eingeschränktes Gesichtsfeld, was durch Kopfdrehungen von bis zu 270° ausgeglichen wird.

Nachdem der Uhu in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch Jagd und den Einsatz von DDT als fast ausgerottet galt, konnte er durch Zuchtprogramme und Auswilderungsmaßnahmen wiederangesiedelt werden. Als Anhang I-Art der EU-Vogelschutzrichlinie gilt der Uhu als streng geschützte Art für deren Schutz besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen, sowie spezielle Schutzgebiete einzurichten sind. Heute ist er im Bestand gesichert und besiedelt alle ihm zusagenden Gebiete. Die Reviere umfassen im Durchschhnitt 30km².

Die Brutzeit der Uhus beginnt meist im März. Nur bei günstigem Nahrungsangebot kommt es zur Brut. Das Weibchen legt 2 - 5 Eier, die es ca. 35 Tage alleine bebrütet. Im Alter von ca. 4-5 Wochen verlassen die Jungen den Brutplatz und erkunden neugierig die Umgebung, bis sie mit etwa 10 Wochen voll flugtüchtig sind. Dabei werden sie von den Eltern weiter mit Nahrung versorgt und machen sich durch weithin hörbare ständige Bettelrufe bemerkbar. Endgültig selbstständig sind die Jungvögel erst mit etwa 5 Monaten.

Junguhus verlassen allabendlich die schützenden Nischen und Einstände des Steinbruchs und können dann auch auf Dächern im Umfeld gut beobachtet werden. Von hier aus erkunden sie ihr Revier bis zu dem Moment, wo sie das Geburtsrevier verlassen und eigene Reviere suchen.


21.07.2025 - Kann der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling in einem seiner wenigen Kernvorkommen in Südhessen noch gerettet werden - aktuell steht er kurz vor dem Aussterben - siehe unter Aktuelles weiter unten


Nach einem ersten Treffen im Herbst 2024 mit verschiedenen Akteuren aus dem amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz, wo die wichtigsten Flächen für das Überleben des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings festgelegt wurden und durch das Amt für ländlichen Raum des Landkreises Bergstraße Bewirtschaftungsverträge mit den Landnutzern vereinbart wurden, zeigen sich bemerkenswerte Erfolge bereits im ersten Jahr der Umsetzung. Entscheidend für überlebensfähige Bläulingsvorkommen ist die Mahdruhe von Anfang Juni bis Mitte September, an diesem Zeitraum gibt es artökologisch keinen Verhandlungsspielraum. Wichtig ist zudem eine zweischürige Nutzung der Wiesen, so dass der konkurrenzschwache Große Wiesenknopf, die Eiablage-, Nektar- und Raupenfutterpflanze des ersten Stadium, sich gut entwickeln kann und in der Flugphase der Schmetterlinge, ab Ende Juni, seine Blütenknospen austreibt.

Heller-Wiesenknopf-Ameisenbläuling bei der Eiablage an einer Knospe des Großen Wiesenknopfes.

In Südhessen gibt es nur noch wenige Vorkommen des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, eines der am längsten bekannten und regelmäßig beobachteten Vorkommen befindet sich zwischen Schlierbach und Eulsbach im Odenwald. Wir konnten dort noch stabile Vorkommen bis Mitte der 90er Jahre feststellen, mit z.T. bis 100 Falter, danach nahm der Bestand alljährlich und kontinuierlich durch ungünstige Mahdtermine und Düngung ab. So stellen Mahdtermine im Juni bis September meist einen Totalausfall für die Art dar, da die Falter nur wenige Wochen leben. In den letzten 10 Jahren gelangen in der Flugperiode der Falter, diese erstreckt sich von Ende Juni bis Ende August, nur noch wenige Sichtungen, selten mehr als Einzeltiere, die Art stand somit kurz vor dem Erlöschen in einem der wichtigsten Vorkommensgebiete in Hessen.

Hohe Staudendichte des Großen Wiesenknopfes nach günstiger Mahd.

Bereits im ersten Jahr mit günstiger ersten Mahd Ende Mai und hoher Staudendichte des Großen Wiesenknopfs sowie einem günstigen Blütebeginn Ende Juni waren es 3 Falter der seltenen Art in dem etwa 7ha großen Wiesenareal, so viele, wie seit Jahren nicht mehr. Bei einer aktuell erneuten Zählung in der Hauptflugphase am 18. Juli konnten wir über 20 Falter des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zählen sowie 10 Falter der Geschwisterart, des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, dessen Hauptflugphase noch bevorsteht. Erfasst wurde im sogenannten Vollzensus, somit auf ganzer Fläche. Das bedeutet, dass die spezifischen Wirtsameisen, wo sich die Raupen ernähren und später verpuppen, genügend Nester in den Wiesenarealen aufbauen und bei gutem Blütenangebot des essentiell benötigten Großen Wiesenknopfs, die Falter nicht abwandern, sondern innerhalb der Flächen sich fortpflanzen und schnell wieder hohe Dichten aufbauen können. Somit konnte belegt werden, wie entscheidend die Mahdzeitpunkte für eine günstige Blüte zum Zeitpunkt des Schlupfs der Falter sind und wie schnell sogar fast erloschene Bestände regenerieren können und von Sinkpopulationen wieder zu Quellpopulationen innerhalb eines Jahres aufsteigen können. Bei Wald-Michelbach und Mitlechtern haben Landwirte ganz offensichtlich noch nicht mitgemacht beim Schutz und Erhalt des seltenen Falters und zum schlechtesten Zeitpunkt Ende Juni gemäht, so dass dort, bis jetzt kein Großer Wiesenknopf blüht und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling hier keine Chance hat und nur über Zuwanderung von außen und bei besseren Bedingungen die Fläche erneut besiedeln kann. Damit dies gelingt, braucht es ein Netz an Vorkommen, das einen Überschuss (Quellpopulation) an Faltern hervorbringt und über Abwanderung wieder erloschene Gebiete besiedelt werden können.

Auch der Blutweiderich und die Kleine Braunelle dienen dem Hellen-Wiesenknopf-Ameisenbläuling als Nektarquelle.

Deutschland und insbesondere Hessen hat eine besondere Verantwortung für den Hellen- und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Die Vorkommen der beiden Arten stehen eigentlich unter strengem Schutz. Beide Arten sind in den Anhängen II+IV der FFH-Richtlinie gelistet, was den höchstmöglichen Schutz einer Art bedeutet. Anhang II besagt, dass die besten Gebiete für die Art spezifisch zu erhalten und zu entwickeln sind und in keinem Fall sich der Erhaltungszustand verschlechtern darf, sondern in einen günstigen überführt werden soll. Schaut man sich die hessischen und badischen Monitoringberichte an, erkennt man das bisherige behördliche Scheitern, denn nur die Behörden haben Zugang zu den Daten der Bewirtschafter und können Verträge abschließen. Damit es den Bläulingen nicht wie dem Feldhamster ergeht, wo ebenfalls Ende der 90er Jahre die Bestände im Oberrheingraben aufgrund des Mangels an Maßnahmen vollständig erloschen sind und nun mit viel Aufwand wieder Ansiedlungsversuche unternommen werden, braucht es ein rasches, konsequentes und kontinuierliches Handeln der Verantwortlichen. Der ehrenamtliche Naturschutz wird sich, soweit wie erforderlich und möglich einbringen und mitwirken, denn der Erhalt einer Art kostet uns alle ein Vielfaches weniger als Wiederansiedlungsprojekte, letztere oft ohne langfristigen Erfolg. Da die Zucht der Ameisenbläulinge aufgrund der komplexen Lebensweise nicht praktikabel ist, gilt es diese unter allen Umständen in ihren letzten Vorkommensgebieten zu erhalten.

Wespenspinne

Der frühe erste Mahdtermin begünstigt zudem zahlreiche weitere Arten, so finden sich in den frischen bis wechselfeuchten Wiesen hohe Dichte der Sumpfschrecke, Wespenspinne und zahlreiche weitere Schmetterlingsarten. Mahdtermine, wie häufig in den wärmsten und trockensten Monaten im Juli/August von den Landwirten durchgeführt führen aufgrund des schnellen Abtrocknens der Böden zur eheblichen Reduktion der Nässe liebenden Wirtsameisen der Bläulinge sowie zum Absterben von Larven der Sumpfschrecke, so dass die Populationen in derart bewirtschafteten wechselfeuchten Wiesen oft stark degradiert und die Wiesen artenarm sind. Findet dann die Mahd zudem mit Kreiselmähwerk statt, werden die Insekten vom Boden und dem Bewuchs ins Mähwerk gezogen und zerschreddert, so dass nach einer Mahd kaum mehr als 20% der Insektenbiomasse verbleiben. 

Sumpfschrecke profitiert ebenfalls vom Mahdtermin im Mai und einer weiteren späten Mahd im September

Spanische Flagge - Schmetterling des Jahres 2025 nur selten findet man sie an den Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfs

Raupe des Nachtkerzenschwärmers einer weiteren seltenen und europarechtlich streng geschützten Art die von den Mahdzeitpunkten für die Bläulinge profitiert und die Wiesengräben mit Weidenröschen und Nachtkerzen besiedeln kann.  


14.05.2025 - Neue Infotafeln am Heppenheimer Schlossberg


Vergangene Woche haben wir an unserer neuen Fläche am Heppenheimer Schlossberg zwei Infotafeln, die von uns gestaltet wurden, angebracht.

Wir freuen uns sehr, dass die beiden Tafeln bei den zahlreichen Besuchern des Kanonen- und Drosselbergweges schon regen Anklang finden und interessiert betrachtet und gelesen werden. Anschaulich zeigen diverse Aufnahmen mit kurzen Erklärungen die hohe Artenvielfalt unserer Magerwiesen auf, zudem kann man sich über die spezielle Pflege der Flächen informieren.

Weiterhin zeigen die Tafeln den positiven Einfluss extensiver Beweidung, mit Offenhaltung der Flächen sowie des Bodens durch den Tritt der Schafe, auf die Biodiversität.

Beispielsweise siedeln von den heimischen etwa 600 Wildbienenarten  70% im Boden. In lückige Vegetationsstellen graben sie ihre Nester in die Erde. Die meisten Arten siedeln solitär, doch können einige auch größere Staaten, ähnlich wie die Honigbiene, ausbilden. Die überwiegende Befruchtungsleistung der heimischen Pflanzen aber auch unserer Obstbäume und Beerensträucher wird von Wildbienen geleistet. Im Vergleich zur Honigbiene fliegen viele der Wildbienenarten auch bei kalter Witterung und regnerischem Wetter. Nur knapp 40% der Arten zählen als nicht gefährdet. Auch hier ist der Hauptgrund der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die im Falle von Insektiziden die Bienen direkt töten oder beim Einsatz von Herbiziden die Artenvielfalt unter den Pflanzen reduzieren.

Das Artensterben macht selbst bei Mistkäfern nicht halt. Die Hälfte der heimischen etwa 100 Dungkäferarten ist durch den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und Entwurmungsmitteln in der Tierhaltung vom Aussterben bedroht. Zum Schutz auch der Dungkäferfauna, die entscheidend ist für gesunde und artenreiche Böden, sowie zur Vermeidung von Resistenzen werden unsere Schafe nur im Bedarfsfall mit Antiparasitika behandelt und in dieser Zeit eingestallt. Der chemisch belastet Kot wird dann entsorgt. So kommen bei unserer rücksichtsvollen und naturnahen Art der Tierhaltung noch etwa 30 Dungkäferarten vor, die den Kot in kurzer Zeit in den Boden einarbeiten und den Pflanzen zur Verfügung stellen.

Schachbrettfalter, Dunkle Erdhummel und Gelbbindige Furchenbiene beim Nektartrinken an Skabiosen-Flockenblume. Lebensraum finden die Arten nur dort, wo die Wiesen nicht gleichförmig geschnitten oder intensiv beweidet werden, sondern ein Mosaik an Vegetationsstrukturen vorhanden bleibt, wo ganzjährig Blumen blühen und höhere grasig-krautige Bestände den Ruhestadien (Puppen, Gespinst, Ei, Larve, Imagines) der Insekten als Überwinterungsort dienen.


16.03.2025 - Neue Verlustursachen unter Amphibien


Wir finden vermehrt Hinweise auf neue Verlustursachen unter Amphibien, die lokal ganze Bestände dezimieren. Aktuell suchen wir ein Labor, das in der Lage ist, die Todesursache und die krankhaften Symptome, wie zitternde Bewegungen, sich auf den Rücken drehen, Krampfanfälle, untypisches akinetisches Verhalten vor allem beim Teichmolch zu untersuchen. Labortests auf herkömmliche Pathogene verliefen bisher negativ.

Wer ebenfalls sich abnormal verhaltende Amphibien findet, kann sich bei uns melden. Auch äußerlich unversehrte, aber tote Tiere sollten untersucht werden. Vermutlich muss die Stichprobe hoch genug sein, um die Ursache erkennen zu können.


15.03.2025 - Frühjahrsbeweidung am Heppenheimer Schlossberg


Unsere neu erworbene Fläche am Heppenheimer Schlossberg wird aktuell von unseren Schafen beweidet. Die einjährige Weinbergbrache wird zusehend interessanter für die Natur. Die Frühjahrs-Schafhaltung zeigt bereits Früchte, so siedelt sich aktuell und wohl erstmals überhaupt ein Brutpaar vom Rotmilan am Schlossberg, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Schafen, an. Ob die Brut erfolgreich wird, dürfte auch vom ebenfalls dort siedelnden Uhu abhängen. Am Mangel an Käfern, Heuschrecken und Mäusen wird es nicht liegen.