Presse


02. September 2019 - Pressemitteilung zum "Windenergiegipfel" - "Keine weitere Aufweichung des Artenschutzes !"

 

Keine weitere Aufweichung des Artenschutzes!

 

Nachdem die Windkraftlobby seit Wochen Alarm schlägt, der Ausbau der Windkraft würde stocken, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ein Krisentreffen für den 05.09.2019 anberaumt. Man will sich u.a. mit rechtlichen Fragen zur Genehmigung beschäftigen und auch damit, wie die anvisierten Ausbauziele durch erneuerbare Energien bis 2030 erreicht werden können.

 

Der vom Bundesverband WindEnergie (BWE) aufgestellte "Aktionsplan für mehr Genehmigungen von Windenergieanlagen an Land" ist lang. Insbesondere der Artenschutz soll weiter aufgeweicht werden! Man fordert bei genehmigungsrechtlichen Unklarheiten künftig "im Zweifel für die Windenergie" zu entscheiden. Außerdem sollen die Ausnahme-Regeln des Naturschutzgesetzes dahingehend geändert werden, dass die Installation von Erneuerbare-Energie-Anlagen "im dringenden Klimaschutzinteresse und damit besonderem Naturschutzinteresse ein Ausnahmetatbestand im Sinne dieser Vorschrift ist."

 

Bei diesen Forderungen der Windkraftlobby wird die Rolle der Windindustrie als Hauptgefährdungsfaktor für bestimmte Populationen von Vogel- und Fledermausarten heruntergespielt, wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien werden ignoriert bzw. sogar verdreht.

 

Mit dem derzeitigen Windindustrieausbau kommt es in Deutschland immer wieder zu Verstößen gegen sämtliche internationale Abkommen zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten, wie der Niedergang mehrerer Fledermausarten und Vogelarten zeigt, sowie gegen europarechtliche und nationale Verpflichtungen.

Durch die bereits installierten Windindustrieanlagen werden in Deutschland jährlich ca. 500.000 Vögel und ca. 300.000 Fledermäuse getötet (die Dunkelziffer liegt vermutlich noch weitaus höher).

 

Im Bereich der Lebensräume windkraftsensibler Arten können nur durch Abschaltungen, Stilllegungen oder Rückbauten von WEA Umweltschäden vermieden oder wieder geheilt werden.

 

Die Auswertung von über 15.000 Studien zur Biodiversität des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), wonach eine Million der weltweit vorkommenden 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten akut vom Aussterben bedroht sind, zeigt, dass die Menschheit derzeit durch den Verlust der Artenvielfalt am stärksten im eigenen Überleben bedroht wird. Der Artenschwund ist Hauptgrund einer Vielzahl aktueller Menschheitsprobleme und wird auch in unserer Gesellschaft nicht ernst genug behandelt. Der Klimawandel ist hiervon nur ein Teil des Mosaiks. Daher sind dringend intelligente Lösungen in Bezug auf die Nutzung neuer Technologien zur Energiegewinnung, aber auch zum Energiesparen erforderlich, will man nicht die Artenvielfalt und somit die Grundlage des Überlebens der Ökosysteme und demzufolge unser eigenes Überleben irreversibel zerstören, so Dirk Bernd von MUNA.

 

Massive Schäden an Tierpopulationen sind bereits jetzt monokausal den Wirkungsgefügen durch die Nutzung der erneuerbaren Energien, insbesondere der Windenergie in artensensiblen Bereichen zuzuschreiben und sind, falls überhaupt möglich, nur unter höchsten ökonomischen Anstrengungen wieder rückgängig zu machen. MUNA hat hierzu ein Buch zum Thema herausgegeben, zu finden ist es unter:

 

https://www.muna-ev.com/veröffentlichungen/

 

Als Kernaussage muss in der Konsequenz zum Schutz der Arten ein sofortiger WEA-Ausbaustopp in windkraftsensiblen Gebieten erfolgen, um die Artenvielfalt nicht gegen die notwendige, jedoch größtenteils falsch umgesetzte Energiewende auszuspielen.

 

Wir fordern von der Bundesregierung, den Belangen des Natur- und Artenschutzes einen weitaus größeren Stellenwert als bislang einzuräumen! Es ist nur logisch, dass Interessensvertreter der Windbranche den Artenschutz vernachlässigt sehen wollen, doch kann dies nicht Grundlage für neue Gesetzesentwürfe werden, so Prof. Kerstin Schultz von MUNA.

 

Eine weitere Aufweichung der Naturschutzgesetze, Naturschutzverordnungen und Richtlinien muss unter allen Umständen unterbleiben.

 

Der Schutz der Natur ist zu stärken, anstatt ihn noch weiter zu schwächen, so die Schlussfolgerung der Natur- und Umweltschutzorganisation MUNA.

 

 


24. August 2019 - " Gemeinsame Aktion von NABU Münster und MUNA e.V. "


13. Juni 2019 - "Russisch - Roulette zwischen Rotoren" - Bergsträßer Anzeiger


24. April 2019 - Bedrohte Flugkünstler - Starkenburger Echo


02. April 2019 - Pressebericht "Jahrmarkt im Wald "

 

Jahrmarkt im Wald

 

Die sogenannten Lärmfeuer,  die in früheren Jahrhunderten als Signalfeuer zum "Alarm schlagen" eingesetzt wurden, hat der Betreiber des Windparks am Greiner Eck, die Energiegenossenschaft Starkenburg, unter Einbeziehung der örtlichen Feuerwehr zum Anlass genommen ein "modernes" Lärmfeuer inmitten eines schützenswerten Waldgebietes zu initiieren. Diese Aktion, die mit dem Einsatz von bis zu 70 Scheinwerfern, mit denen eines der Windräder illuminiert wurde, stattfand und den Wald in ein leuchtendes Inferno versetzte, bestätigt erneut den erschreckend unsensiblen Umgang der Projektierer mit der Natur, aber auch vieler Menschen, die die Vergnügungssucht über den Naturschutz stellen. Mit lautem Getöse ein Volksfest mit Bratwurststand, Musik und Shuttleservice zu veranstaltet, und das mitten in der Brut- und Setzzeit, erhöht mit Sicherheit auch nicht die Akzeptanz für Windindustrie im Wald.

 

Eine alte Tradition wird hier missbraucht um in einer Art Stammtischgetöse, verbunden mit dem Hinterlassen von dutzenden Zigarettenkippen, Pappteller, Servietten, Kronkorken, Bonbonpapieren, Taschentüchern, Fäkalien bis zu Damenbinden die Eventisierung des Waldes voranzutreiben, so Angelika Emig-Brauch von MUNA e.V.

 

Hier  findet eine nicht zu tolerierende Grenzüberschreitung statt, die den Tieren neben den täglichen Gefahren durch Windkraftanlagen ihre letzten Lebensräume raubt.

 

Von März bis Juli, nämlich während der sog. Brut- und Setzzeit, unterstehen  Tiere neben den bestehenden Naturschutzgesetzen mit Recht einem weiteren besonderen Schutz. Gerade in dieser für die Arten sehr empfindlichen Zeit, können kleinste Störungen Anlass sein, ihre Brut zu beenden oder Horststandorte aufzugeben. Wahrscheinlich ist dies den Betreibern egal, da sie ohnehin davon ausgehen, dass die meisten Vögel und Fledermäuse von den frei schlagenden Rotoren bereits ums Leben kamen.

 

Weiterhin handelt es sich am Greiner Eck um ein FFH-Gebiet, das nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen wurde und seltenen streng geschützten Arten u.a. dem Rotmilan und Uhu Heimat bietet. Das vor dem Bau- und Inbetriebnahme der Windindustrieanlagen noch vorkommende Wespenbussardpaar, kommt seit Inbetriebnahme am Greiner Eck nicht mehr vor, so Dirk Bernd von MUNA e.V., die erheblichen Umweltschäden, die durch die Nutzung der Windenergie in Waldökosystemen ausgelöst werden, sind nach wie vor nur wenig im öffentlichen Bewusstsein angekommen.

 

Wer eine solche nächtliche Massenveranstaltung im Wald mit Licht- und Lärmspektakel durchführt und genehmigt, hier richtet sich die Kritik ausdrücklich auch an die Behörden, die ihre Kontrollfunktion nicht wahrgenommen haben, zeigt keinerlei Respekt und Verantwortung gegenüber der Natur und missachtet nationales und europäisches Naturschutzrecht, so Emig-Brauch abschließend.

 

 

 


21. März 2019 - Pressebericht "Fledermäuse erwachen aus dem Winterschlaf"

 

 

Fledermäuse erwachen aus dem Winterschlaf

 

Die kalte Jahreszeit überdauern Fledermäuse im Winterschlaf. Manche gebäude-bewohnenden Fledermäuse, darunter unsere häufigste Art die Zwergfledermäuse, suchen im Herbst Spalten an Hausfassaden, Mauerhohlräumen, Rollladenkästen oder auch Holzstapeln als Winterquartier auf. Die meisten Fledermausarten verbringen den Winter in Höhlen, Bunkern, Kellern und anderen unterirdischen Verstecken. Dabei werden sämtliche Lebensfunktionen auf Sparflamme gesenkt, der Herzschlag fällt von ca. 600 auf nur 10 Schläge pro Minute ab und die Atemfrequenz geht stark zurück. Auf diese Weise verbrauchen die Tiere, wenn sie dabei störungsfrei bleiben, nur sehr wenig Energie und zehren von ihren körpereigenen Fettreserven, die sie sich im Laufe des Herbstes zugelegt haben. Eine Fledermaus nimmt täglich etwa ein Drittel ihres Körpergewichts an Nahrung in Form von Mücken, Faltern, Käfern und anderen Insektenarten auf. Wenn im Frühjahr die Fettreserven aufgebraucht sind, ist es für das Überleben der Fledermäuse enorm wichtig, dass ein ausreichendes Beuteangebot an Insekten vorhanden ist.

 

Etwa ab Mitte März erwachen die Säugetiere aus dem Winterschlaf und machen sich auf den Weg zu ihren Sommerlebensräumen. Im April bilden sich die sog. Wochenstubenkolonien, d. h. die Weibchen suchen zum Gebären und Aufziehen der Jungen gemeinsame Quartiere auf. Hierfür werden je nach Art Hohlräume im Dach, Dachstühle oder bei waldbewohnenden Arten diverse Baumquartiere genutzt.

 

Alle der 24 in Hessen vorkommenden Fledermausarten sind nach dem Bundes-naturschutzgesetz streng geschützt und in ihren Beständen zunehmend gefährdet. Eine Vielzahl von Schlupfwinkeln geht durch den Verlust alter Bausubstanz, bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen an Häusern und Kirchen für die Tiere verloren. Weitere Ursachen für die Bestandsrückgänge sind die Intensivierung der Landwirtschaft mit hohem Einsatz von Pestiziden  und das mangelnde Angebot an Habitatbäumen in unseren Wirtschaftswäldern. Durch Verzicht auf Pestizide im eigenen Garten und der Anpflanzung einer reichhaltigen Palette an blühenden Sträuchern, Stauden und Wiesenblumen kann jeder dem Insektensterben entgegenwirken.

 

Bis zu 330.000 Fledermäuse kollidieren jährlich an Windkraftanlagen in Deutschland und die Zahl derer, die zusätzlich durch den Druckabfall hinter den Rotorblättern ein Barotrauma erleiden, kann nur geschätzt werden. Stark betroffen sind hiervon unter anderen ziehende Arten wie z.B. der Große Abendsegler, die Rauhautfledermaus und durch die Öffnung unserer Wälder für die Windkraft zunehmend auch die waldbewohnenden Arten wie z.B. die vom Aussterben bedrohte Mopsfledermaus.

 

Oftmals werden Fledermäuse sehr geschwächt oder verletzt aufgefunden. Als Erste-Hilfe-Maßnahme ist es empfehlenswert die Fledermaus geschützt mit Handschuhen oder einem weichen Tuch vorsichtig in eine Schachtel, mit kleinen Luftlöchern versehen, zu setzen und an einen kühlen sicheren Ort zu stellen. Anschließend sollten die Fledermäuse unverzüglich in fachkundige Hände übergeben werden.

 

Als Ansprechpartner bei Fledermausfunden und zur Fledermauspflege können sie uns erreichen unter:

 

Dagmar Göhler: 06252/77554

 

oder

 

MUNA e.V. Mensch, Umwelt-, Natur- und Artenschutz: Angelika Emig-Brauch 06252/4830

 

Ebenso können Sie bei Ihnen vermutete Quartiere bei uns melden.

 


 

30. Januar 2019 - Pressebericht zum Vortrag " Der Schwarzstorch und Rotmilan im Odenwald " in Bad König - Zell am 24.01.2019


 

22. Dezember 2018 - Pressebericht zum Vortrag " Der Schwarzstorch und Greifvögel im Odenwald" in Heidelberg - Handschuhsheim am 19.12.2018

Der Verein zur Förderung von Bürgerwissenschaften, Richard Leiner, hatte am vergangenen Mittwoch in Heidelberg - Handschuhsheim zu einem Vortrag über den Schwarzstorch und Greifvogelarten im Odenwald eingeladen. Vor großem Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Alten Rathauses referierte der Vorsitzende des Naturschutzvereins MUNA e.V. , Dirk Bernd, über den imposanten, seltenen und streng geschützten Großvogel, dessen Lebensweise, Verbreitung und über die Gefahrenquellen, denen er ausgesetzt ist.


Entgegen der bis vor einigen Jahren verbreiteten Meinung, dass der Schwarzstorch im Odenwald nicht vorkomme, konnte der Verein MUNA e.V. durch mehrjährige Untersuchungen und Kartierungen einen flächendeckenden Bestand von 14-18 Paaren im gesamten Odenwald belegen. In diesem Jahr gelang es, gleich mehrere Horste ausfindig zu machen. Dirk Bernd erläuterte, wie schwierig und zeitaufwändig sich die Suche nach Horsten gestaltet. Zudem benötigen die Beobachter zur Erfassung ein geschultes Auge, um den Thermik- und Segelflieger über Entfernungen von mehreren Kilometern oder auch auf kurzer Distanz gut getarnt vor den bewaldeten Höhenrücken des Odenwaldes überhaupt erkennen zu können.


Der Schwarzstorch steuert bei seinen weiträumigen, bis zu 10 km reichenden Nahrungssuchflügen vor allem fisch- und amphibienreiche Fließgewässer, Wiesengräben und Feuchtwiesen sowie Seen, Teiche und sogar Wildschweinsuhlen an.


Der Schwarzstorch brütet nicht, wie bisher angenommen, ausschließlich tief in den Wäldern, sondern nutzt - vermutlich aufgrund des Fehlens geeigneter Altbestände in den ausgeräumten Wirtschaftswäldern - sogar Horstbäume direkt an Wirtschaftswegen, wie Dirk Bernd in 2018 beobachten konnte. Weiterhin zeigte er Gefährdungsursachen, meist ausgelöst durch Windindustrievorhaben auf, wo einzelne Horste beschossen und Horstbäume gefällt wurden.

Die Nutzung des Lebensraumes unterliegt einer hohen Dynamik, so werden Bruthorste meist nicht länger als 3 Jahre genutzt und müssen aufgrund forstlicher Eingriffe oder sonstiger Störungen an anderer Stelle neu errichtet werden.


An mehreren schon bestehenden Windkraftanlagen im Odenwald, wie am "Stillfüssel" bei Wald-Michelbach und "Kahlberg" bei Fürth, wurde beispielhaft aufgezeigt, dass Schwarzstörche Windkraftanlagen nicht meiden, sondern bei ihren Transferflügen die Windparks im unmittelbaren Wirkraum der Rotoren durchfliegen.


Auch der Rotmilan, eine unserer größten heimischen Greifvogelart, mit einem Vorkommen in Deutschland von 50-60% des Weltbestandes, über den Angelika Emig-Brauch von MUNA e.V. anschließend berichtete, meidet Windkraftanlagen nicht. Vielmehr scheint er förmlich von Ihnen angezogen zu werden und sie als Gefahr nicht zu erkennen. Wie der Schwarzstorch, ist auch der Rotmilan ein Segelflieger, der lokal auftretende günstige Luftströmungen und Thermikverhältnisse über den Kuppenlagen der bewaldeten Höhenrücken und somit auch im Bereich von Windkraftanlagen und im direkten Gefahrenbereich der sich drehenden Rotoren nutzt, um energiesparend von Brut- zu Nahrungshabitaten zu gelangen.

 

Ebenso haben die Untersuchungen gezeigt, dass Rotmilane nicht nur Acker-, Wiesenflächen und Waldrandbereiche bejagen, sondern auch über den Baumkronen geschlossener Wälder, in Windwurfflächen, Waldwiesen und Freiflächen um Windkraftanlagen nach Insekten, Kleinsäugern und Vögeln jagen. Angesichts eines Hauptaktivitätsradius des Greifvogels um seinen Horststandort von 2-3 km erscheint ein Tabubereich für Windkraftanlagen zu den einzelnen Horsten von 1.500 m, als erheblich zu gering gewählt.


Der Odenwald stellt für den Rotmilan ein Optimalhabitat dar, welches nach bisherigen Ergebnissen von MUNA e.V. eine Siedlungsdichte von 19 Brutpaaren pro 100 km² aufweist. Sogenannte Quellpopulationen, wie es Dichtezentren mit über 10 Brutpaaren pro 100 km² sind, sind essentiell für die Erhaltung der Art.


Die deutschlandweite Bestandsentwicklung des Rotmilans zeigt seit Beginn der 90er Jahre einen kontinuierlichen jährlichen Rückgang von 1,8%. In einigen Flächenbundesländern sank der Bestand analog zum Ausbau der Windenergie um über 50%.


Für die Erhaltung der im Odenwald in hohen Siedlungsdichten vorkommenden Arten Schwarzstorch und Rotmilan ist ein Verzicht der Windenergienutzung als Hauptgefährdungsursache unvermeidbar, so Bernd abschließend.

 

 


25. Juli 2018 - Amtsblatt Nr.30 Heiligkreuzsteinach

Verein Lebenswerter Odenwald Heiligkreuzsteinach e.V. stellt MUNA e.V. vor


 18. Juli 2018 - Vereinsportrait -  Badische Anzeigen Zeitung

 


 

Pressemitteilung der Naturschutzorganisationen NABU-KV-Odenwald und MUNA e.V.

Ruhender Wolf, Freigehege Bayrischer Nationalpark; Foto: Andreas Kunze

 

Die Rückkehr des Wolfs in den Odenwald

 

Wie in der Presse mehrfach berichtet, wurden im November im Odenwaldkreis mehrere Schafe und eine Ziege nachweislich durch einen Wolf gerissen. Das Auftauchen eines Wolfes in unserer Region nach über 150 Jahren, bringt aufgrund fehlender Erfahrungen im Umgang mit diesem großen Beutegreifer einige Verunsicherungen und Ängste mit sich.

 

" Gerade für Schaf- und Ziegenhalter bedeutet der nun erforderliche Aufwand zum Schutz ihrer Tiere eine Mehrbelastung an zusätzlichen Kosten und Zeit " erläutert Dirk Bernd ( MUNA e.V. ), der selbst eine kleine Schafherde zur Landschaftspflege besitzt. " Wir sehen durchaus die Problematik in der Rückkehr des Wolfes als Beutegreifer in der Region, die an den Umgang mit Raubtieren nicht gewohnt ist " so Limprecht vom NABU KV Odenwaldkreis. " Gerade in dieser Situation halten wir einen sachlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung für nötig, um den fragilen Versuch der Natur, in ein Gleichgewicht zurück zu finden , nicht durch eine emotional geführte Debatte zu gefährden." so Limprecht weiter.

 

Der Wolf ist ein natürlicher Teil unseres Ökosystems und so sollte man seine positive Rolle in den natürlichen Abläufen nicht außer Acht lassen.

 

So haben Wölfe nicht nur einen quantitativen, sondern auch einen qualitativen Einfluss auf ihre Beutetiere, in der Regel Rehe, Wildschweine, Hirsche. Sie haben häufig nur bei jungen noch unerfahrenen, alten, schwachen und kranken Tieren Jagderfolg, meint Bernd. Das heißt, sie entlasten den Gesamtbestand und wirken der Ausbreitung von Infektionskrankheiten bei ihren Beutetieren entgegen. Die Folge ist ein in seiner Gesamtheit vitalerer Wildbestand und ein im Gleichgewicht gehaltenes Ökosystem. So trägt der Wolf auch ganz nebenbei zu einer verbesserten Naturverjüngung des Waldes bei, die in vielen Bereichen nur noch möglich ist, wenn man den Jungwald einzäunt.

Ein weiterer Aspekt ist, dass im Gegensatz zum menschlichen Jäger, der ein erlegtes Tier immer aus dem Wald nimmt und keiner sonst davon profitieren kann, der Wolf meist nicht seine gesamte Beute auf einmal frisst, ergänzt Limprecht. Die verstreuten Kadaverteile bedeuten für viele Aasfresser eine lebenswichtige Nahrungsquelle und bilden somit für viele Organismen notwendige ökologische Nischen. Mit der Anwesenheit des Wolfes wird das Nahrungsnetz größer, da die Nutznießer wiederum eine Nahrungsgrundlage für andere Tiere darstellen.

 

Somit wird klar: Der Wolf ist ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität und er ist eine Tierart zu deren Schutz sich die Europäische Union und Deutschland entschlossen haben. " Der Wille zur Biodiversität sollte nicht zu einer Gartencenter-Mentalität degradiert werden, bei der wir uns den Luxus erlauben, die Arten auszusuchen, die hübsch, bequem und niedlich sind, aber vor allem mal keine Umstände machen" so Limprecht.

 

Seit Jahren bemühen sich Naturschutzverbände, wie der NABU und MUNA, durch den Dialog mit Schäfern, ein möglichst konfliktarmes Miteinanden von Wolf und Mensch möglich zu machen. Durch die Gründung der " Schnellen Eingreiftruppe " des NABU, die betroffene Schäfer bei der Sicherung ihrer Tiere unterstützen kann, wurde gezeigt, dass ein Miteinander für den Wolf und die Interessen der Tierhalter möglich ist. Durch die Veröffentlichung zahlreicher Informationsbroschüren über Leben und Verhalten des Wolfes versuchen wir den Befürchtungen und Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen und so zu einem sachlichen Umgang mit diesem Thema zu kommen.

 

" Wir setzen uns tagtäglich Gefahren aus, ohne uns darüber auch nur Gedanken zu machen. Wir steigen ohne Zögern ins Auto, dabei ist die Gefahr relativ groß, in einen Unfall verwickelt zu werden. Wir sind als Fußgänger unterwegs und betreiben Freizeitsport und bewegen uns dabei ständig in einem erhöhten Unfallrisikobereich.

Die Gefahr, die von einem Wolf ausgeht, ist im Vergleich dazu gleich Null! " erläutert Bernd. Schon die Wahrscheinlichkeit, je einen Wolf in freier Natur zu Gesicht zu bekommen, ist sehr gering. Keinesfalls sollte man jedoch auf die Idee kommen Wölfe zu füttern, da sie dann, wie Wildschweine zutraulich werden können. Wir wollen keine bettelnden Wölfe im Odenwald, die nach Futter suchen, so Limprecht weiter.

 

Veranschaulichung der Gefährdung durch den Wolf im Vergleich zu allen übrigen täglichen Gefahren (Gefährdung durch den Wolf, copyright 2015 CHWOLF)

 

 

Fakt ist, dass seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland (1998) kein einziger Fall bekannt wurde, wo Wölfe aggressives Verhalten Menschen gegenüber gezeigt hätten. Hier gilt es also die Relationen zu wahren und die Gefährdung durch Wildtiere, insbesondere durch Wölfe, an den tatsächlichen Zahlen zu messen und nicht emotional zu färben.

 

Limprecht und Bernd sammeln Beobachtungen zu Wolfssichtungen im Odenwald, hier können Sie Beobachtungen und auch Fragen zum Wolf an die Artenschutzexperten der beiden Naturschutzvereine stellen, Tel. 0162/9671694 (Limprecht) und 06254/640669 (Bernd).

 

 

Fakten über den Wolf:

 

Ein Rudel in Deutschland besteht im Durchschnitt aus etwa acht Tieren. Hinzu kommen mehrere Einzelwölfe, die zum Teil standorttreu oder auch auf Wanderungen sind.

Ein Rudel ist kein Zusammenschluss von umherziehenden Wölfen, sondern ein Familienverband. Es besteht aus dem Elternpaar, Welpen des aktuellen Jahrgangs und den noch nicht abgewanderten Jungtieren aus dem Vorjahr.

 

Die Größe eines Wolfsreviers ist variabel und hängt vor allem von der verfügbaren Nahrung aber auch von ausreichenden Rückzugsgebieten ab. Gibt es mehr Beute, ist das Revier kleiner und umgekehrt. In Deutschland nutzt eine Wolfsfamilie ein Territotium von rund 250 km² - im europäischen Vergleich entspricht dies dem Durchschnitt.

 

Immer wieder tauchen Gerüchte auf, Natur- oder Tierschützer würden Wölfe einfangen und sie dann in bisher wolfsfreien Gebieten aussetzen, also Wölfe im Kofferraum durch Europa bzw. Deutschland transportieren. Diese Gerüchte sind falsch. Fakt ist, dass Wölfe ausgesprochene Langstreckenläufer sind - sie legen weite Strecken in kurzer Zeit (bis zu 75 Kilometer pro Tag) zurück, wie Forschungsergebnisse besenderter Wölfe belegen. Es besteht also gar keine Notwendigkeit, der natürlichen Verbreitung nachzuhelfen. Durch intensive genetische Untersuchungen kann man zudem genaue Aussagen über die Herkunft einzelner Wölfe treffen.

 

 


17. September 2017 - MUNA e.V. Pressemitteilung

BUND Behauptungen sind irreführend und falsch
Forderung eines Runden Tisches für den Artenschutz

 

Die Pressemitteilung der BUND Kreisvorsitzenden Herwig Winter und Guido Carl zeugt von gravierenden Kenntnislücken zu wissenschaftlich anerkannten naturschutzfachlichen Standards, die ganz offensichtlich nicht mehr in das Weltbild des BUND bzw. dieser Personen passen. Herwig Winter und Guido Carl belegen eindrücklich in ihrem von falschen Behauptungen und reinen Vermutungen verfassten Schreiben, dass Sie die lokalen Bezüge und regionalen Kenntnisse, die ein Naturschutzverband nachweisen muss, um glaubwürdig zu sein, verloren haben.

 

Ihr geringes Wissen über die Odenwälder Artenschutzthematik in Bezug auf die Konflikte mit Windindustrieanlagen ist erschreckend gering, was sich dadurch zeigt, dass diese Problematik von Seiten des BUND permanent heruntergespielt, ja sogar geleugnet wird, so Paul Reil von MUNA e.V.. Sie vermischen Sachlichkeit mit Polemik und diffamieren die Menschen, die sich tatsächlich für die Naturerhaltung und Artenvielfalt einsetzen, so Reil weiter.


Herwig Winter und Guido Carl werden zwar nicht müde, bei allen Neubauvorhaben den Artenschutz ins Feld zu führen, doch nutzen sie diesen, wie es ihnen passt und nicht nach den eigenen Verbandszielen oder gar unter fachlichen Gesichtspunkten, erläutert Angelika Emig-Brauch von MUNA weiter. So wäre ihnen aufgefallen, dass bei der Prüfung der planerseitigen Unterlagen zum WKA-Vorhaben auf dem Kahlberg oder Stillfüssel erhebliche Mängel und Defizite im naturschutzfachlichen Prüfprogramm vorlagen.

 

Ganz offensichtlich ist der BUND nicht mehr in der Lage, so Dirk Bernd Vorsitzender von MUNA weiter, Freund von Feind zu unterscheiden. Hier wird jeder, der naturschutzfachliche Tatsachen ins Feld führt zum Gegner der Energiewende erklärt. Dieses Scheuklappenphänomen ist beim BUND wie bei den Grünen zum Programm geworden.

 

Diese Mentalität der Ignoranz und Voreingenommenheit artikuliert der BUND-Vorsitzende auch gegenüber der Jägerschaft, hat er doch auch diesen kürzlich in einer Pressemitteilung den Krieg erklärt. Dort glaubte ein Habichtfreund, dass ein Jäger einen Habichthorst ausgeschossen haben soll, da ein Loch im Nest war. Doch auch hier wird anderen Menschen einfach etwas unterstellt, was offensichtlich der derzeitigen Weltanschauung des BUND entgegenkommt und artökologische Verhaltensweisen, die diesen sogenannten „Naturschützern“ oft gar nicht bekannt sind, völlig ausklammert.

 

Auch im Falle des angeblich beschossenen Habichthorstes liegt der BUND höchstwahrscheinlich abermals fachlich falsch, so Dirk Bernd weiter, denn was den „BUNDlern“ wohl entgangen ist, ist die Tatsache, dass Waschbär und Baummarder in unserer Region flächendeckend vorkommen. Beide Säugetierarten besetzen insbesondere im Winter und Frühjahr Greifvogelnester und wühlen in der weichen Nestmulde nach Fressbarem. So kommt es nicht selten vor, dass mittig in Greifvogelhorsten ein Loch entsteht.

 

Solche Erkenntnisse erhält man aber nur über stetige, neutrale Beobachtungen und wenn
man auch in der Lage ist, offen und unvoreingenommen die Natur ohne Wertung zu
beurteilen.


Die derzeitige Scheuklappenmentalität des BUND, die sich einzig auf den Habicht
konzentriert und die Jäger in Sippenhaft nimmt, oder aber sich an in den Naturhaushalt
eindringenden Windrädern labt und Bürgerinitiativen diffamiert und sich einredet die Welt sei
nun gerettet, ist nicht weiter zu akzeptieren. Die noch wenigen Aktiven sollten sich hingegen
selbstkritisch hinterfragen und sich besser nicht allzu weit vom EU-Artenschutz- und
nationalen Naturschutzrecht entfernen.


Die Entwicklung des BUND insgesamt ist sehr bedauerlich. Zumal diese Anschuldigungen
selten im direkten Gegenüber ausgesprochen werden, so Reil weiter. Aus Respekt vor
unserer Landschaft und der Artenvielfalt und um komplexe fachliche Fragestellung einfach
und sachlich darzustellen und zu diskutieren laden wir (MUNA e.V.) den BUND zu einem
Runden Tisch ein. Dort können naturschutzfachliche Gesichtspunkte sowie ein Pro und
Contra Windenergie gerne öffentlich und offen diskutiert werden.


V.i.S.d.P.
für den Vorstand von MUNA e.V.

 


 

23. Juli 2016 - Kräutertöpfchen für die Natur - Starkenburger Echo

Von Marion Menrath

 

SCHLOSSBERG Lebensmittelhändler spendet 4000 Euro für Artenschutzprojekt in Heppenheim

 

HEPPENHEIM - Die Firma Edeka Südwest hat 4000 Euro für ein Artenschutzprojekt in Heppenheim gespendet. Mit dem Geld will der Verein Mensch, Umwelt, Natur und Artenschutz (Muna), früher Bioenermed, ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück am Schlossberg kaufen, wie Sprecher Dirk Bernd erläuterte. Ziel sei es, dort seltene Trockenrasen- sowie Trockenmauerbiotope zu schützen.

 

Der Scheck wurde am Donnerstag symbolisch im Edeka-Markt von Wilfried und Christian Merz an der Kalterer Straße übergeben. Wie Roland Metzner, Gebietsverkaufsleiter von Edeka Südwest erläuterte, stammt das Geld für die Aktion „Unsere Heimat & Natur“ aus dem Verkauf von Kräutertöpfen der Regionalmarke „Unsere Heimat – echt & gut“.

 

ZAHLEN

 

Edeka Südwest hat nach eigenen Angaben 1500 Filialen und 43 500 Mitarbeiter – darunter auch 2750 Auszubildende.

 

Zum Absatzgebiet gehören Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Teile von Hessen und Bayern.

 

Im vergangenen Jahr hat der Konzern einen Außenumsatz von 8,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. (mam)

 

Mit jedem gekauften Topf spenden die Kunden zehn Cent für Artenschutzprojekte. Langfristig solle im Geschäftsgebiet ein Biotopverbund entstehen, der dazu diene, die Kulturlandschaft im Südwesten kontinuierlich zu verbessern, erläuterte Metzner.

 

Eines der schönsten Gebiete der Bergstraße

 

Er sei froh, dass Edeka das Projekt fördere, betonte der Erste Stadtrat Christoph Zahn: „Das Gebiet am Schlossberg ist eines der schönsten an der Bergstraße“. Es sei schade, wenn die Natur nicht erhalten werden könne. Wenn Pflege fehle, werde alles wieder ruckzuck zu Urwald. Pflege sei auch wichtig für den Tourismus.

 

Ausgewählt werden die Projekte von einer Jury mit Beteiligung der ehrenamtlichen Stiftung NatureLife-International. Wie deren Sprecher Axel Kleinschumacher erläuterte, arbeite die Stiftung seit drei Jahren mit Edeka zusammen und habe seither 60 Projekte ausgewählt. „Ziel ist es, lokalen Initiativen unter die Arme zu greifen, um brachliegende Flächen zu renaturieren“, so Kleinschumacher. Bisher wurden jeweils 1500 bis 5000 Euro an Naturschutzverbände, Schulen oder Einzelinitiativen ausgezahlt.

 

Wie Dirk Bernd vom neu gegründeten Verein Muna erläuterte, liegen die betreffenden Flächen am Kanonenweg, zwischen einem eigenen Grundstück und einem Nabu-Grundstück mit einem mehr als hundert Jahre alten Weinbergshäuschen. Es sei sinnvoll, alle drei Gebiete gemeinsam mit Schafen zu beweiden. Schafe hätten den Vorteil, dass weniger als beim Mähen von Hand zerstört werde.

 

Durch die bisherige jahrelange Pflege seien aus verwilderten Weinbergen bereits wertvolle Trockenrasen und Extensiv-Wiesen entstanden. Insgesamt pflege der Verein am Schlossberg 10 000 Quadratmeter auf vielen kleinen Einzelflächen. Den eigenen Verein hätten sie gegründet, weil die großen Naturschutzverbände politisch seien. Dabei falle der Artenschutz oft unter den Tisch.

 

Wie Bernd weiter erläuterte, gehe es darum, am Schlossberg ein kleinteiliges Mosaik verschiedener Biotope zu bewahren und nicht wie am Kaiserstuhl großflächige Weinberg-Terrassen zuzulassen. Das mache den Reiz der Landschaft aus.

 

Großes Vorkommen an Gottesanbeterinnen

 

Dank der Pflege gedeihen auf benachbarten Flächen bereits seltene Orchideen wie Bocksriemenzunge und Helm-Knabenkraut. Die Gottesanbeterin habe am Schlossberg eines der größten Vorkommen in Hessen. Um dem Insekt optimale Lebensbedingungen zu bieten, müsse regelmäßig gegen Brombeerbewuchs vorgegangen werden.

 

 

Alte Trockenmauern bieten zudem hervorragende Lebensbedingungen für wärmeliebende Reptilien, wie Mauereidechsen und Schlingnattern. Auch die seltene Zaunammer brütet wieder auf dem Schlossberg. Das nächste Ziel sei es, Steinkauz und Wiedehopf wieder anzusiedeln.

Die Patenschaft für das Projekt hat Edeka Merz in Heppenheim übernommen. „Es freut uns, so etwas Schönes zu fördern“, betonte Seniorchef Wilfried Merz.