Insekten

Insecta



 

In Deutschland kommen etwa 33.000 Insektenarten vor. Weltweit gehören über 70% aller Tierarten zu dieser Gruppe. Bei einer Auswertung des Bundesamtes für Naturschutz von über 6.000 Insektenarten waren 45% in ihren Beständen rückläufig. Viele Arten waren in manchen Gebieten in den letzten Jahren gar nicht mehr nachweisbar. Dies betraf praktisch alle Artengruppen, wie z.B. Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer, Hautflügler und Ameisen.

 

Klimatische Gründe für rückläufige Bestände sind eher von untergeordneter Bedeutung, entscheidender für den Rückgang der Artenvielfalt der Insekten sind in absteigender Reihenfolge folgende Faktoren:

  • Konventionelle/industrielle Landwirtschaft (Pestizide, großflächige schlagartige Wirtschaftsweise mit einheitlicher Bodenbearbeitung oder Wiesenmahden mit Kreiselmähwerkzeug, wenig Saumstrukturen, Mitnutzung von Ackerrandstreifen, Überdüngung, Überweidung und Einsatz von Antiparasitika).

Beim Ausbringen von Pestiziden insbesondere von Insektiziden (Neonikotinoide und ähnliche Wirksubstanzen) können diese bis mehrere 1.000m verdriftet werden. Da deren Wirksamkeit z.T. um das 6.000 - 7.000fache toxischer als DDT ist, wirken die Gifte bis in entlegene Landschaftsräume. So verdunsten Gifte und gelangen über die Luft praktisch überall hin. Eine Reduktion selbst der Insektenbiomasse in Wäldern und Naturschutzgebieten, in denen kein Gift ausgebracht wird, ist die Folge.

  • Lichtimmissionen "Lichtverschmutzung" (Anlockwirkung, Entzug aus dem Naturhaushalt und Barriereeffekte).
  • Wirtschaftswälder: Überwiegend viel zu junge einheitliche Bestände, Monokulturen aus Nadelbaumarten oder Nadelbaumdominanzbeständen, fremdländische Arten.
  • Pestizideinsatz allgemein in Kommunen, Forst und Privatgärten.
  • Neophyten - invasive Pflanzenarten (Bildung von Dominanzbeständen in vormals produktiven artenreichen Ufersystemen durch wenige Arten, wie z.B. Drüsiges Springkraut und Japanischer Staudenknöterich).
  • Zu sterile urbane Räume einschließlich Flächenverbrauch.
  • Anflug im Straßen- und Schienenverkehr, an Windenergieanlagen.

Durch diese Wirkfaktoren wird die Grundlage allen Lebens seit Jahren derart geschädigt, dass niemand weiß, wohin es führen wird. Bereits aktuell ist feststellbar, dass der Rückgang von Insekten um 80% und höher sicher Auswirkungen auf komplette Ökosystemketten hat, angefangen vom Bodenleben über Stoffkreisläufe bis hin zu insektenfressenden Arten von Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Fledermäusen. Noch nie waren so viele Arten in den Roten Listen geführt wie heute.

 

In den letzten Jahrzehnten werden im Zuge der Globalisierung verstärkt (bewusst und unbewusst durch Güterverkehr, Reisetätigkeit, Ansamungen, Freilassung) neue Arten (Neobiota) angesiedelt. Die meisten Arten können sich in heimischen Gefilden nur halten, wenn sie eine Nische finden. So schaden "Einwanderer", wie Bisamratte und Nutria dem verwandten heimischen Biber nicht. Dies wäre anders, wenn die im Sommer gleichen Nahrungsressourcen (Gräser,Kräuter,Stauden) einen Engpass darstellen würden. Ein Engpass an Nahrung bzw. eine Konkurrenz um Nahrungsquellen wäre nur dann gegeben, wenn alle drei Arten im Winter Baumrinde benötigen würden, was jedoch nur für das Überleben des Bibers wichtig ist.

 

Arten, wie der mittlerweile in ganz Deutschland verbreitete Waschbär sind z.T. erhebliche Prädatoren oder Nahrungskonkurrenten zu heimischen Arten. So dezimieren Waschbären in nicht unerheblichem Maße Amphibienbestände, wohingegen heimische Säugetierarten häufig wasserscheu sind.

 

Behördlich werden für einige der Neobioten Meldepflichten und Bekämpfungen initiiert. Jedoch ist dies für viele unsinnig, da sich zahlreiche der neuen Arten bundesweit fest im Ökosystem  etabliert haben und selbst mit hohem Aufwand, kaum mehr entfernt werden könnten, wie Waschbär, Nilgans oder Flußkrebsarten.

 

Arten, die bisher nur in wenigen Räumen in Baden-Württemberg und neuerdings auch in Hessen nachgewiesen wurden, wie die Asiatische Hornisse, die vermutlich auf Druck der Imker auf die Schwarze Liste gesetzt wurde, werden sich auch gegen Widerstand und sinnlose Bekämpfungsmaßnahmen ausbreiten. Auch diese Art wird die heimische Hornisse nicht verdrängen oder Bienenarten ausrotten. Sie wird wie viele weitere Arten um Lebensraum mit heimischen Arten konkurrieren, aber keine Schuld am Niedergang von Arten haben.

 

Gerade unter den Insekten ist auch klimabedingt mit dem weiteren auch natürlichen Einwandern von Arten zu rechnen. So gelang Dirk Bernd durch Lichtfänge in 2019 der Erstnachweis für den Gesprenkelten Pappelspanner Stegania cararia in Hessen. Bei Insektenarten sind Neunachweise bei genaueren Untersuchungen keine Seltenheit. Immer wieder können hier Überraschungen und spannende Entwicklungen beobachtet werden. Auch aufgrund der zu anderen Tiergruppen vergleichsweise wenigen Entomologen kann der Gesprenkelte Pappelspanner übersehen worden sein. Sicher kann gesagt werden, dass viele Insektenarten in Anbetracht ihrer Seltenheit erst über jahrelange Untersuchungen in denselben Gebieten nachweisbar sind.

Gesprenkelter Pappelspanner Stegania cararia in 2019 erstmals für Hessen nachgewiesen. Alljährlich gelingen derzeit neue Artennachweise  in einzelnen Bundesländern oder in Deutschland.  Viel mehr Arten  zählen jedoch zu aussterbenden oder verschollenen Arten.

 

 


Schmetterlinge


Zitronenfalter


Heuschrecken


Blauflügelige Ödlandheuschrecke


Fangschrecken


Gottesanbeterin