Nachtkerzenschwärmer

Proserpinus proserpina


 

Der Nachtkerzenschwärmer, ein Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer, ist einer von 16 Schmetterlingsarten, der im Anhang IV der FFH-Richtlinie geführt ist und somit innerhalb seiner Vorkommensgebiete unter strengem Schutz steht. Nach der Roten Liste (2011) gilt die Art in Deutschland als ungefährdet.

 

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Pyrenäen über Mittel-, Süd- und Südosteuropa bis nach Vorderasien hinein. Auch in Nordafrika kommt er in isolierten Teilarealen vor. Die nördliche Verbreitungsgrenze der Art liegt in Norddeutschland.

 

Der Nachtkerzenschwärmer bildet nur selten längerfristige Vorkommen an einem Standort, obwohl der Lebensraum nach wie vor für ihn gut geeignet wäre. Stattdessen tritt er immer wieder an verschiedenen Stellen auf, nutzt dabei auch völlig neue Standorte zur Gründung neuer Vorkommen und zeigt damit das typische Verhalten von Pionierarten. Zur Größe der Populationen ist nahezu nichts bekannt, nur wenige günstige Gebiete werden von kleinen Populationen regelmäßig genutzt.

 

Die Art beansprucht einen zweigeteilten Lebensraum. Einerseits benötigt die Raupe Standorte, die ein ausreichendes Angebot ihrer wichtigsten Nahrungspflanzen, den Nachtkerzengewächsen, wie z.B. der gewöhnlichen Nachtkerze und insbesondere verschiedenen Weidenröschenarten, bieten. Zum anderen Teil ernährt sich der Falter von nektarreichen Blüten wie z.B. dem Natternkopf oder Wiesensalbei auf Glatthaferwiesen, Magerrasen sowie trockenen Ruderalfluren.

 

Die Raupe des Nachtkerzenschwärmers bevorzugt somit warme, sonnige, feuchte Standorte an Bach- und Flussufern, Wiesengräben und Feuchtbrachen, niedrigwüchsige Röhrichte, sowie Feuchtkies- und Feuchtschuttfluren, Standorte die meist mit hochgewachsenen, krautigen Pflanzen bewachsen sind. Auch wenig feuchte bis trockene Sekundärstandorte wie Bahn- und Hochwasserdämme, Industriebrachen, Steinbrüche, Sand- und Kiesgruben, Waldschläge sowie auch naturnahe Gärten werden gerne besiedelt.

 

Die leicht ovalen, weißen, später grün gefärbten Eier legt der Falter meist über größere Flächen verteilt, einzeln, selten auch zu zweit an der Blattunterseite der Nahrungspflanzen ab. Die sich daraus entwickelnden, schnell wachsenden Raupen fressen an Blüten und Blättern der Nachtkerzengewächse und ruhen tagsüber versteckt am Blütenstand oder am Boden unter Blattresten und Steinen. Die auffälligen Fraßspuren und Kotballen erleichtern die Suche nach den Raupen.

 

Unter günstigen Bedingungen dauert die Entwicklung der Raupen nur 2 Wochen. Je nach Alter sind sie zuerst grün gefärbt und verändern sich zum Erwachsenenstadium hin in beigebraune bis schwarzbraune Farbtöne mit dunklen Längsstreifen. Da auffälligste Merkmal ist das fehlende Afterhorn am Hinterleib der Schwärmerraupe, an dessen Stelle ein schwarzer, ockergelb umrandeter Augenfleck plaziert ist.

 

Die vornehmlich in der Abenddämmerung und nachtaktiven Raupen sind hauptsächlich zwischen Mitte Juni bis Mitte Juli, und je nach vorausgegangener witterungsbedingter Entwicklungsverzögerung manchmal bis in den September hinein zu finden.

 

Die etwa 5 - 6 cm langen ausgewachsenen Raupen wandern nun auf der Suche nach einem Verpuppungsplatz größere Strecken umher. Sie legen sich eine unterirdische Höhle an oder verstecken sich unter Blättern, um dort als Puppe bis zum Frühsommer zu überwintern.

 

So fanden zwei MUNA-Mitglieder aus Oberzent im hessischen Odenwald in diesem Juli ein prächtiges Exemplar einer ausgewachsenen Raupe des Nachtkerzenschwärmers beim Überqueren eines Weges an ihrem sonnigen Hanggrundstück, das von mehreren Nachtkerzen bewachsen ist.

 

Vermutlich abhängig von der Witterung schlüpfen die ersten Falter manchmal schon ab Mitte April, meist jedoch fliegt der 3,5 -  6 cm große, kurzlebige Schwärmer von Mitte Mai bis Mitte Juni, selten auch bis Mitte Juli. Hauptsächlich in der Abend- und Morgendämmerung, ab und an auch tagsüber saugt der Schwärmer im Schwirrflug stehend an nektarreichen Blüten von Nelkengewächsen, Lippenblütlern und Schmetterlingsblütlern. Den Tag verbringt der Falter gut getarnt in der Krautschicht.

 

Der Nachtkerzenschwärmer, mit einer Flügelspannweite von 37 - 45 mm, besitzt grau-grüne Vorderflügel mit dunkler Zeichnung, die Hinterflügel-Oberseite ist gelb-orange mit einem breiten, schwarzen Saum umrandet. Die Flügelränder sind stark gezackt.

 

Gefährdet ist die Art bei der Querung der Raupen von Wegen und Straßen. Insbesondere die Mahd von Wiesengräben und Staudenfluren mit dem Vorkommen der Nahrungspflanzen oder Grabenräumungen, sowie Mahd und Unterhaltungsmaßnahmen an Wald- und Wegrändern während der Raupenentwicklungszeit zwischen Mai und August können zur Dezimierung der Bestände führen. Ebenso müssen die allgemeinen Gefährdungsfaktoren für Nachtfalter und Insekten wie die Lockwirkung durch Lichtverschmutzung, massiver Insektizid- und Herbizideinsatz in der Landwirtschaft, wie auch an Straßenrändern und Bahndämmen, Biotopverschlechterungen und Zerstörungen, Zerschneidung von Habitaten, auch für diese Art angenommen werden.