Kiebitz

Vanellus vanellus


 

Die Brutgebiete vom Kiebitz, einer Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer, erstrecken sich von Irland bis Ostsibirien. Seine nördlichste Verbreitungsgrenze liegt in Skandinavien, im Süden liegt die Grenze in Spanien bis Nordafrika.

 

Der etwa taubengroße Bodenbrüter bevorzugt flache, weithin offene und wenig strukturierte Flächen, wie feuchtes Dauergrünland, Wiesen, Weiden und Überschwemmungsflächen als Lebensraum. Noch im 19. Jahrhundert brütete die Art fast ausschließlich in Feuchtwiesen, heute jedoch finden Bruten zur Mehrzahl auf mehr oder weniger trockenem Untergrund statt. So werden häufig auch Ackerflächen zur Brut genutzt.

 

In Deutschland gilt der ehemals häufige und allgegenwärtige Kiebitz mit 42.000 - 67.000 Brutpaaren als stark gefährdet, mit einem Rückgang von 1992 bis 2016 von mehr als 88% (Angaben DDA 2016). Drastische Rückgänge werden auch bei durchziehenden Kiebitzen, den Rastbeständen, festgestellt.

 

In Hessen gehört der Kiebitz zu den seltensten Brutvogelarten und gilt als vom Aussterben bedroht. Von über 2.000 Paaren Ende der 1980er Jahre konzentrieren sich nur noch etwa 200 Paare in den süd- und mittelhessischen Niederungen, wie dem Ohmbecken, der Wetterau und dem Hessischen Ried. Da mittlerweile jedes Paar und jedes Gelege für das Überleben der Art bedeutend sind, sind Naturschützer bemüht die Verluste so gering wie möglich zu halten. Als Schutzmaßnahme werden von Ornithologen die Nester gesucht und mit kleinen Bambusstöcken markiert, um ein Zerfahren oder Pestizidbesprühungen der Gelege durch landwirtschaftliche Maßnahmen vorzubeugen. Auch Elektrozäune können den Bruterfolg erhöhen, indem sie Beutegreifer, wie den Fuchs, fernhalten. Wiedervernässungsmaßnahmen, wie in einem der hessischen Vogelschutzgebiete "Hessische Altneckarschlingen" bei Bickenbach, können zur Ansiedlung der Art beitragen. Leider kommt es in den letzten Kerngebieten der Art, wie bei Biebesheim, zum Ausbau von Folientunnel in landwirtschaftlichen Nutzflächen. Hier konnten wir Brutaufgaben in Entfernungen bis 100m zu den Tunneln beobachten. Die Meidung gegenüber vertikalen Strukturen wie Masten von Freileitungen, Bäumen, Gebäuden oder eben den Folientunnel wird als Kulisseneffekt bezeichnet, da der Kiebitz eine freie Sicht zur rechtzeitigen Erkennung von Feinden am Boden oder aus der Luft benötigt. Auch tote Küken konnten nach Pestizidbehandlungen gefunden werden. Veterinärmedizinische Untersuchungen der Küken brachten Hinweise auf toxische Ursachen (Leberanomalien) sowie ein Verhungern der Küken.

 

Vorkommen in Mittelgebirgen sind gegenüber Erhebungen um 1980 nicht mehr bekannt. Auch in Baden-Württemberg gilt die Art mit 500 - 700 Brutpaaren als vom Aussterben bedroht.

 

Kiebitze sind meist über Jahre hinweg nistplatztreu. Eine vom Männchen angelegte Nestmulde polstert das Weibchen mit nur wenig trockenem Pflanzenmaterial aus. Der Legebeginn ist witterungsabhängig frühestens Anfang März, Ende der Legeperiode ist meist Anfang Juni. Bei Brutverlust kommt es häufig zu Nachgelegen. Fast immer legt das Weibchen vier Eier, die 26-29 Tage von beiden Partnern bebrütet werden. Wenn das letzte Küken geschlüpft ist, verlässt die Kiebitzfamilie das Nest und die jungen Nestflüchter versorgen sich selbstständig mit Nahrung. Die Nahrung von Kiebitzen ist recht vielseitig. Sie besteht hauptsächlich aus kleinen Bodentieren, Insekten und deren Larven, wie Käfer und Schmetterlingsraupen, Wiesen-Schnaken, Heuschrecken, Ameisen usw.. Ein hoher Anteil an Regenwürmern ist ebenso bekannt. Meist im Winter stehen Samen und Getreidekörner auf dem Speiseplan.

 

Unter guten Bedingungen hält sich die Familie zunächst in der Nestumgebung auf. Bedingt etwa durch landwirtschaftliche Arbeiten, zu geringem Nahrungsangebot, erhöhtem Prädatorendruck, kann es aber zu einem erzwungenen Abwandern der Kiebitzfamilie kommen. Hierbei können weite Strecken zurückgelegt werden. Mit 35  bis 40 Tagen werden die jungen Kiebitze flügge, die spätesten Küken Mitte August.

 

Schon ab Juni gehen die ersten Kiebitze auf Wanderschaft und ziehen in mehreren Etappen in die Überwinterungsgebiete, Spanien, Frankreich und Nordafrika. In milden Wintern verbleibt ein Teil der Kiebitze bei uns.

 

Vielerlei Faktoren bedrohen das Überleben der Kiebitze:

  • Fortschreitende Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft, Verlust von Gelegen durch landwirtschaftliche Arbeiten
  • Habitatverschlechterung durch Umstellung auf Wintergetreide
  • Verlust von Bruthabitaten durch Entwässerung und Trockenlegung, Zerstörung von Feuchtgebieten
  • Wiesenumbruch
  • Industrieller Torfabbau
  • Massive Düngung (beschleunigtes Pflanzenwachstum und Vorverlegung von Mahd) und Biozidanwendung (Mangel an Nahrung, Vergiftung)
  • Prädatoren (Füchse,  Waschbären, Wildschweine, Rabenvögel, Elstern, Greifvögel)
  • Zerstörung von Gelegen durch Weidevieh
  • Jagd und Netzfang durch den Menschen während des Vogelzuges, vor allem in Frankreich, Eiersammler

https://www.komitee.de/de/projekte/frankreich/vogelfang-in-frankreich/

  • Freizeitdruck, Störungen durch den Menschen, freilaufende Hunde
  • Schlagopfer durch Windenergieanlagen