Entgegen dem scheuen Waldbewohner Schwarzstorch hat sich der Weißstorch als einziger Großvogel eng dem Menschen angeschlossen und sich als Mitbewohner menschlicher Siedlungen und ökologisch reichhaltiger Agrarlandschaften entwickelt. Primäre Lebensräume des Weißstorches sind große, offene Landschaften, wie Flussniederungen, Feuchtgrünland mit periodischen Überschwemmungen und extensiv genutzte Wiesen und Weiden. Durch Kultivierungs- maßnahmen vieler seiner ursprünglichen Lebensräume zählen heutzutage auch abgeerntete oder umgebrochene Äcker zu seinen Nahrungshabitaten. Das relativ breite Nahrungs-spektrum des Weißstorches besteht aus Kleinsäugern (Mäuse, Ratten, Maulwürfe), Fröschen, Kaulquappen, Reptilien, Fischen, weiterhin können Insekten und Regenwürmer eine größere Rolle bei der Nahrungsaufnahme spielen. Die Nahrung richtet sich jedoch weitestgehend nach dem jeweiligen Angebot, so dass der Weißstorch als Nahrungsopportunist bezeichnet werden kann. Große Mengen an Nahrung muss der Großvogel während der Brutzeit für sich und seine Jungen beschaffen. Ein erwachsener Storch benötigt pro Tag 500 - 700 gr., zusätzlich wird jeder Jungvogel mit einer ähnlich großen Nahrungsmenge versorgt, die er in seinem Kehlsack zum Horst bringt und dort an seine Jungen verfüttert.
Als Anhang I Art der EU-Vogelschutzrichtlinie ist der Weißstorch streng geschützt. In Deutschland ist er in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Nach einem starken Rückgang des Weißstorchvorkommens seit Anfang des 20. Jahrhunderts konnten sich die Bestände Ende der 80ziger Jahre stabilisieren. 1994 konnte ein Bestand von ca. 4.300 Weißstörchen in Deutschland verzeichnet werden.
In Mitteleuropa stellt die Hauptgefährdung für den Storch der Stromtod an Freileitungen dar. Durch Sicherung der gefährlichen Überlandstromnetze durch die Netzbetreiber würde einer Vielzahl an Weißstörchen und anderen Großvogelarten der Stromtod erspart bleiben. Außerhalb Europas und in den Überwinterungsgebieten liegt die Hauptgefährdung in der Bejagung der Störche.
Ungefähr 500 Brutpaare siedeln derzeit in Hessen mit einer Kernregion des Weißstorches im hessischen Ried, von wo aus sich der Vogel zusehens ausbreitet. In 2015 häuften sich erstmals Meldungen von Weißstorchsichtungen im hessischen Odenwald. Mittlerweile konnten wir bei unseren alljährlichen Kartierungen mehrfach Weißstorchvorkommen in bisher vom Weißstorch gemiedenen Bereichen dokumentieren, so z.B. bei Fürth/Weschnitztal, Reichelsheim/Gesprenztal und Bad König/Mümlingtal.
Die horsttreuen Weißstörche bauen große auffällige Horste mit bis zu 2 Metern Durchmesser auf Gebäuden, Schornsteinen, Masten und Bäumen. Bei mehrjähriger Nutzung können die Horste ein Höhe von bis zu 3 Metern erreichen und sind deshalb auch oft absturzgefährdet.
Mit vorgefertigten Nisthilfen, die Weißstörche gerne annehmen, kann eine Ansiedlung unterstützt werden. Jedoch gilt hierbei, je natürlicher das Aussehen der künstlichen Nisthilfe, umso eher wird sie von den Störchen angenommen. Bei der Anbringung einer wasserdurchlässigen Plattform sollte eine Mindesthöhe von 6 Metern in exponierter Lage beachtet werden. Im Umkreis des Nestes sollten kein Hindernisse vorhanden sein, die es überragen, damit ein freier An- und Abflug gewährleistet ist.
Die folgenden Bilder zeigen ein Beispiel einer Neuanlage auf dem Hausdach eines MUNA Mitglieds.
Der Besuch zweier Störche auf seinem Hausdach nahm Heinrich Schäfer zum Anlass dort eine Nisthilfe zu bauen, die auch gleich von den Störchen inspiziert wurde.
Bauanleitungen für Weißstorchnisthilfen finden sie unter unseren Linktipps.
