Windenergie

 

 



Windenergie


MUNA e.V. ist eine Organisation, die sich den aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen und deren Auswirkungen auf unsere Umwelt und der Integration naturschutzfachlicher und somit nachhaltiger Fragestellungen stellt. Wir zeigen Zielkonflikte auf und entwickeln Lösungen. Als Beispiel sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz und deren z.T. erhebliche negative Auswirkung auf unsere Umwelt und die Artenvielfalt beschrieben. So ist in der öffentlichen Wahrnehmung noch relativ wenig bekannt, wie sich die Energiewende auch auf die Artenvielfalt und deren Populationen nicht nur im deutschen, sondern im gesamteuropäischen Raum auswirkt.

 

Eines unserer vordringlichen Projekte dient der Vermeidung von sog. Schlagopfern von Fledermäusen und Vögeln an Windkraftanlagen. Rotmilan und Mäusebussard sind nach der Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesamt für Umwelt Brandenburg (Rotmilan 532, Mäusebussard 630, Stand Januar 2020) die häufigsten Schlagopfer an WEA.

Bilder: Siegfried Bonhagen und Norman Schmidtmeier, Emmerthal NRW

Die Untersuchung des toten Rotmilans ergab zahlreiche Frakturen und einen Leberriss durch Kollision mit einem Rotor der Windkraftanlage.

Allein an den aktuell 24.000 deutschen Windkraftanlagen (WEA) sterben durch direkte tödliche Folgen pro Jahr etwa 240.000 bis über 900.000 Fledermäuse durch Kollision mit den Rotoren und durch das sog. Barotrauma (Platzen von Blutgefäßen und der Lunge durch Druckunterschiede). In einigen Regionen hat dies bereits fatale Folgen für das Ökosystem, so brechen im nordeuropäischen und mitteleuropäischen Raum ganze Fledermausarten in ihrem Bestand ein. Dies betrifft insbesondere unsere größte heimische Fledermausart, den Großen Abendsegler, siehe Bild.

 

Aktuell wird im Rahmen verschiedener Forschungsvorhaben versucht zu ermitteln, wie stark die tatsächlichen Auswirkungen auf die Fledermausfauna sind. Ziel dieser Untersuchungen ist aber häufig, den Betrieb von Anlagen zu gewährleisten. Dementsprechend sind dann auch die Designs der Untersuchungen aufgebaut. Den Arten wird durch abstrakte und meist theoretische Annahmen wenig geholfen, zumal bereits erhebliche negative Wirkmechanismen bei den Populationen  eingetroffen sind. Ein Weiter-so bzw. eine Förderung weiterer Windenergieanlagen würde katastrophale Folgen nach sich ziehen. Aktuell sind somit beinahe sämtliche bestehenden und sich in Planung befindlichen Anlagen artenschutzrechtlich widerrechtlich bzw. rechtlich planungsunsicher. Die großen Naturschutzverbände verzögern durch die restriktive Inanspruchnahme des ihnen eingeräumten Klagerechtes eine entscheidende Weichenstellung zur Anpassung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und verschärfen somit den Konflikt.

 

MUNA e.V. erforscht das tatsächliche Ausmaß und den Konflikt des EEG und der Windenergienutzung und entwickelt Strategien und Methoden zur Verringerung und Vermeidung dieses Konfliktes. Wir unterstützen und sind beteiligt an der Entwicklung neuer Technologien, die Alternativen aufzeigen und den Konflikt entschärfen können.

 

Hierfür sind wir auf Spenden, Fördergelder und Vermächtnisse angewiesen.  Sie können mit Ihrer Spende und einem Stichwort auch einzelne Projekte gezielt unterstützen. 


Kartierungen


Über die Auswirkungen, die mit dem Bau und dem Betrieb von Windindustrieanlagen in Waldökosystemen auf die dortige Fauna einhergehen, liegen bisher kaum wissenschaftlich belastbare Untersuchungen vor.

 

Bei unseren Kartierungen in deutschen Mittelgebirgsräumen Taunus, Vogelsberg, Spessart, Odenwald, Bayrischer Wald, Pfälzer Wald, Rothaargebirge, Bauerwald, Schwarzwald und Schwäbische Alb sowie in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Heilbronn im Süden und Gernsheim im Norden erheben wir Monitoringdaten über die für Windkraftanlagen planungsrelevanten Arten, vor allem die europarechtlich geschützten Tierartengruppen Vögel und Fledermäuse. Ziel ist es neben dem Aufzeigen der aktuell vorhandenen Vorkommen, die aktuelle fachliche Prüfungs- und Genehmigungspraxis anhand parallel durchgeführter eigener Studien und Gutachten der Planerseite vergleichend darstellen zu können. Weiterhin sammeln wir Daten zur Auswirkung auf die Populationen und das Zuggeschehen von Vögeln und Fledermäusen sowie deren Veränderungen im Verlauf von Jahren.

 

Die Kartierungen umfassen vor allem Arten wie Rotmilan, Schwarzmilan, Mäusebussard, Wespenbussard, Uhu, Schwarzstorch, Sperlingskauz, Rauhfußkauz, Baumfalke, Wanderfalke und die Fledermausarten Abendsegler, Rauhautfledermaus, Breitflügelfledermaus und bei vertieften Prüfungen und deren Vorkommen von der Mopsfledermaus und der Großen Bartfledermaus.

Die Vergleichsprüfungen sind bezogen auf belegbare Daten wie: Nachweis der Arten; Nachweis von Revier/Brutpaaren, Kolonien; Erkennen von Funktionsräumen; besteht ein signifikantes Tötungsrisiko für die Arten; sind Maßnahmen erforderlich und wenn ja, sind diese ausreichend wirksam; sind Zugvogeldichten relevant; wurden Methodenstandards eingehalten.

 

Hierbei zeigen sich bei näherer Prüfung immer wieder erhebliche Unterschiede in der Anzahl der gefundenen Arten, Revierpaaren und essentiellen Funktionsräume und der Siedlungdichte von Arten.

Auch bei Zugvogelbeobachtungen konnten vergleichend stark differierende Angaben von unter 200 Individuen pro Stunde zu über 1000 Individuen pro Stunde festgestellt werden. Verschiedene Fehlerquellen sind bei Sichtbeobachtungen als nicht unerheblich anzusehen. Häufig werden Entfernungen zu den Untersuchungsgebieten und Sichtachsen zu groß gewählt, um besonders Kleinvögel erkennen zu können. Ebenso erfolgen Zählungen an witterungsbedingt ungünstigen Tagen ( Hochnebel, Gegenwind ) an denen eine Zugvogeleinschränkung zu erwarten ist.

 

In Mitteleuropa findet das Zuggeschehen beinahe rund um das Jahr statt. Der Abzug des Rotmilans z.B. geschieht häufig schon im Juli/August, in ungünstigen Jahren sogar schon ab Juni. Die höchsten Dichten an Zugvögeln, mit starkem Nachtzug, die phasenweise um ein vielfaches höher sind als der Tagzug, umfasst der Zeitraum von Ende Februar bis April/Mai.

 

Kiebitze konnten im gesamten Odenwald als Durchzügler über den Höhenrücken und als Rastvögel entlang der Täler dokumentiert werden. Die größten Ansammlungen von meist mehr als 100 bis zu 2.000 Kiebitzen finden sich in der Oberrheinischen Tiefebene aber auch in Ausnahmezug-ereignissen wie im Frühjahr 2018 dann auch in Mittelgebirgsräumen auf Weiden und Äckern.

 

Dieses Zuggeschehen rund ums Jahr lässt den empfohlenen Erfassungszeitraum der Länderleitfäden während der Hauptzugphase von Mitte September bis Mitte November an 8 Terminen für die Erlangung aussagekräftiger Daten als zu gering bemessen erscheinen.

 

Zudem ergeben sich gegenüber den Sichtbeobachtungen nach neuesten meist Radar gestützten Untersuchungen aus den Jahren 2013-2016 erheblich höhere Zugzahlen. Bei Zählungen im Allgaü wurden hierbei doppelt so viele Vögel ermittelt als bei üblichen Sichtbeobachtungen, Bestimmungen beim Nachtzug ergaben sogar zehnmal so viele Vögel.

 

Insgesamt zeigt sich, dass die Auswirkungen der Windindustrie auf den Vogelzug bisher erheblich unterschätzt wurden.


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Buch Windindustrie versus Artenvielfalt
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Der Schwarzstorch und Rotmilan im Odenwald
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Rückgang und Rückgangsursachen vom Abendsegler in Süddeutschland
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Link: Nyctalus (N.F.), 19 (2021), Heft 4-5, S.343-355

         Bernd,D.: Rückgang zweier Wanderfledermausarten im Dreiländereck Hessen, Baden-

         Würrtemberg und Rheinland-Pfalz

Link: Ein Kampf gegen Windmühlen

         Gefälligkeiten und unbrauchbare Empfehlungen von Julia Schenkenberger/erschienen in             Naturschutz und Landschaftsplanung 08/2019